Lübeck: Innere Zerrüttung
Da ist schon jemand. Ein junger Mann in schwarzem Wams und weißer Pluderhose. Irre Augen, bleiches Gesicht, das rotgelbe Haar fällt in wirren Strähnen. Wie ein gehetztes Tier kauert er da, bebend vor Angst. Zur Strecke gebracht im staubgrauen Verlies, das Stefan Heinrichs auf die kleine Bühne des Lübecker Theaters gebaut hat. Während die Zuschauer noch nach ihren Plätzen suchen, ist der Infant schon bis über die Halskrause verstrickt in den Wahnsinn, der uns aus Verdis «Don Carlo» anspringt.
Mit einem Galan, der noblen Herzschmerz verströmt, wenn er die große Liebe an den machtbewussten Vater verliert, hat dieser Typ nichts zu tun. Man spürt sofort, bei diesem Carlo steht alles auf dem Spiel – das Glück, die Zukunft, das Leben.
Der koreanische Tenor Yoonki Baek «spielt» die Rolle, als gehe es auch um sein eigenes Leben. Ein fulminanter Sängerdarsteller, der sich verausgabt, sich verschwendet an eine Figur, die am emotionalen Autismus der höfischen Gesellschaft zerbricht, in der sie gefangen ist. Und darüber fast die Stimme verliert. Auf sich zurückgeworfen, in sich verkapselt, zur Einsamkeit verdammt sind sie alle in Sandra Leupolds Lübecker «Don Carlo»-Welt. König Philipp – kein ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Albrecht Thiemann
I.
Gleich zu Beginn, wenn das tiefe «Es» aus dem Orchestergraben brummt, hebt sich der eiserne Vorhang. Im Halbdunkel sehen wir ineinander geknäulte Menschenleiber, hundert oder hundertfünfzig mögen es wohl sein. Ein Spiegel, der aus dem Schnürboden herunterragt, lässt ihre Zahl ins Unendliche wachsen. Je mehr sich der Es-Dur Dreiklang auffaltet, desto mehr faltet...
Meldungen
Bis 2012 war sie Künstlerische Leiterin der Reihe «Kunst aus der Zeit» der Bregenzer Festspiele; ab der Spielzeit 2015/16 wird die Dramaturgin und Kuratorin Laura Berman mit der Operndirektion am Theater Basel betraut. Derzeit bereitet die gebürtige U.S.-Amerikanerin, die u. a. an der New Yorker Juilliard School, der Princeton University und in Hamburg...
Fünfzehn Millionen Euro hat das Saarland in sein Staatstheater investiert. Und damit die Qualität des Hauses spürbar verbessert. «Auf den ersten Blick erstaunlich für ein Haushaltsnotstandsland», findet selbst Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Dass sich das einst von den Nazis als «Bollwerk gegen den französischen Kulturbolschewismus» gebaute Haus...
