Lortzing: Undine

Bremerhaven

Noch vor vierzig Jahren hätte sich kein Opernfreund vorstellen können, dass eine Produktion von Lortzings «Undine» einmal unter die Rubrik «Ausgrabung» fallen würde. Aber inzwischen ist das einst so beliebte Werk derart gründlich von der Opernbühne verschwunden, dass man für das vergangene Jahrzehnt nicht einmal auf fünf Auffüh­run­gen an deutschen Theatern kommt. Was der reizvollen «romantischen Zauberoper», wie der Komponist sie selbst untertitelt hat, mit Sicherheit Unrecht tut.

In Bremerhaven jedenfalls wurde die Inszenierung von Peter Grisebach ein ungeteilter Publikumserfolg.
Vielleicht auch deshalb, weil hier keine großen Regie-Eskapaden (die das Stück auch wohl schlecht ertragen würde) vollführt wurden, sondern Grisebach die Oper (fast) so erzählt, wie sie seit der maßgeblichen Wiener Aufführung von 1847 überliefert ist. Mit dem Unterschied, dass das von Lortzing dem Lebensgefühl des Biedermeier zugestandene Happy End wieder zurückverwandelt wird in den von Fouqué in seiner romantischen Novelle vorgegebenen Originalschluss: Der ungetreue Ritter Hugo darf nicht im Unterwasserreich weiterleben, sondern empfängt von Undine den Todeskuss.
Wie reich an Kostbarkeiten Lortzings ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 53
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Historische Lektion

Mit einer Vorstellungsdauer von über vier Stunden ist «Lotario», Hauptattraktion der 29. Händel-Festspiele, selbst für eingefuchste Händel-Fans ein ziemlich harter Brocken. Wie offenbar auch schon im Urauffüh­rungs­jahr 1729 in London. Nummer sechsundzwanzig (von insgesamt fünfundvierzig) der Opern Händels, stellt das Dramma per musica in tre atti nach einem...

Zwischen Tradition und Aufbruch

Die japanische Wirtschaft mag derzeit schwächeln, die japanische Gesellschaft sorgenvoll in die globalisierte Zukunft blicken, die japanische Politik den schmerzlichen Umbau des Sozialstaates betreiben – doch allen Krisensymptomen zum Trotz ist die Nachfrage nach teurer «klassischer» Musik aus Europa ungebrochen. Spielen auf Einladung privater Impresarii, sagen...

Rautavaara: Rasputin

Das Stück hört sich fast so an, als hätten sich Meyerbeer, Puccini und Mascagni zusammengetan, um einen neuen «Boris Godunow» zu schreiben. Aber mehr als eine plakative Kopie der «Grande Opéra» mit – teilweise – heutigen Mitteln ist nicht dabei herausgekommen, gestützt auf einen lehrhaft-banalen Text und belastet von der ermüdenden Länge des...