Regietheater ante festum
Er hat das moderne Regietheater praktiziert, als es den Begriff noch gar nicht gab. 1961 inszenierte Bohumil Herlischka in Düsseldorf einen «Freischütz», der auf empörte Ablehnung stieß und ihm trotz vorangegangener spektakulärer Erfolge wie mit der Ausgrabung von Schostakowitschs Urfassung der «Lady Macbeth von Mzensk» (1959) fast ein Arbeitsverbot einbrachte.
Dabei hatte er nur im Rückgang auf die literarischen Quellen das erpresste Happy End als Theaterillusion entlarvt und über die Aufwertung des Samiel die Traumatisierung der Menschen durch den Dreißigjährigen Krieg anschaulich gemacht. Anstoß erregt hatte der 1919 im tschechischen Tschaslau geborene Regisseur schon in seiner 1951 begonnenen Tätigkeit als Oberspielleiter am Prager Nationaltheater, wo der Sarastro seiner «Zauberflöte» 1957 als Ironisierung staatlicher Potentaten (richtig) verstanden wurde. Herlischka emigrierte aus der Heimat und fand offene Häuser in Wien, Mailand, Darmstadt, Frankfurt/Main, München (an beiden Opernhäusern), Kassel («Der ferne Klang» Schrekers 1964) oder Berlin (Meyerbeers «Prophet» 1966 an der Deutschen Oper). Zum Zentrum seiner Arbeit wurde die Deutsche Oper am Rhein, an die Grischa ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die 1970 in Berlin geborene New Yorkerin Audra McDonald ist ein Phänomen. Fünfmal war die Sängerin bereits wegen ihrer Auftritte in diversen Broadway-Produktionen für einen Tony Award nominiert. Und zwar nicht nur als Musical-Diva, sondern auch als Schauspielerin im Sprechtheater. Und viermal hat sie den Preis bisher nach Hause tragen können. Ein einmaliger Rekord,...
Carlo Gozzi macht es heutigen Lesern nicht gerade leicht, ihn zu mögen: Er war nicht nur stockkonservativ, er wusste auch alles besser. Neuerungen waren ihm suspekt: Die italienische Literatur (so schreibt er in seinen Memoiren, denen er den koketten Titel «Unnütze Erinnerungen» gibt) «wurde durch verdrehte, ehrgeizige Fanatiker, die heutzutage um jeden Preis für...
Von Lauritz Melchiors New Yorker «Lohengrin»-Auftritten existieren nicht weniger als fünf Mitschnitte aus den Jahren 1935 bis 1950. Der mittlere von 1943 liegt jetzt bei Naxos klanglich revidiert vor und zeigt den Sänger in exzellenter Verfassung. Er ist ein eher heldischer als romantischer Lohengrin, doch seiner triumphalen Tenor-Power kann man sich kaum...
