­Die Opernbühne als pädagogische Anstalt

Christophe Roussets hinreißende ­Aufnahme von Henry Desmarests «Vénus et Adonis»

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Mit seiner jüngsten Opernausgrabung hat Christophe Rousset ins Schwarze getroffen. Wieder mal. Die zehn Jahre nach Lullys Tod 1697 in Paris uraufgeführte Tragédie lyrique «Vénus et Adonis» des zeitweiligen Hofmusikers Henry Desmarest, den Zeitgenossen «le petit Marais» nannten, folgt dem Modell des großen Schöpfers der französischen Oper, fügt ihr aber eine eigene Note hinzu. Desmarests stets eng an der Sprachmelodie orientierte Musik klingt elegischer (aber nicht kraftlos), weicher, raffinierter als diejenige seines eifersüchtigen Lehrers.

«Vénus et Adonis» ist reich an wunderbaren (und in der vorliegenden Live-Aufnahme aus Nancy wunderbar gesungenen) Lamento-Arien und -Duos, in denen sich Höflinge und Hofdamen mit großer, «romantischer» Geste in kostbare Gefühle wie in schwere Seidenstoffe hüllen und sie so kunstvoll in Falten legen, dass sie in allen Regenbogenfarben schimmern. Dass die Tragédie auch eine hohe Schule der vornehmen Lebensart war, bekommt man in Roussets Einspielung mit seltener Eindringlichkeit zu hören. Die Figuren auf der Bühne agieren als Rollenmodelle für die Zuschauer in den Rängen. Die Musik gibt den hohen und doch «natürlichen» Ton höfischen Sprechens, ...

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Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: CDs, Seite 51
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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