Weg mit den bunten Wundertüten
Ob «L’Enfant et les Sortilèges», Ravels «Fantaisie lyrique» eine Kinderoper ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Nicht zu Unrecht wird heute vermutet, dass Ravel und seine Textdichterin Colette mit ihrem singenden Hausrat und klagenden Getier um einen künstlerischen Ausdruck rangen, der das Grauen des Ersten Weltkriegs ästhetisch fassen konnte. In der Perspektive der kindlichen Titelfigur wachsen die Gestalten aus Wohnzimmer und Garten zu bedrohlicher Größe an, sind selbst für die Augen und Ohren von Erwachsenen manchmal schwer erträglich.
An der Komischen Oper werden keineswegs Kriegsassoziationen geweckt. Doch die Inszenierung dieses Stücks entsprang auch nicht dem Willen zu pseudokindlicher Harmlosigkeit und buntem Naturalismus. Die Regisseurin Jetske Mijnssen und ihre Ausstatterin Mirella Weingarten zeigen die Welt des Kindes karg, in kühlem Blau. Sie reduzieren das Wohnzimmer des ersten Bildes auf eine kreisrunde weiße Spielscheibe, die im folgenden Bild zum riesigen Mond in einem nächtlichen Garten wird.
Wohl nicht zuletzt die prekäre finanzielle Ausstattung des Hauses an der Berliner Behrenstraße erzwingt bescheidene Lösungen. Sie erfordern indes ...
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Der letzte Tag einer Ehe, so könnte man die Geschichte von Medea überschreiben. Einer nicht besonders glücklichen Ehe natürlich, denn Medea ermordet ihre eigenen Kinder. Luigi Cherubini hat diesen mythischen Stoff 1797 vertont: ein Meisterwerk irgendwo zwischen Klassik und Romantik, das dank Maria Callas nicht ganz vergessen wurde. Derzeit erscheint es plötzlich...
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