Weg mit den bunten Wundertüten
Ob «L’Enfant et les Sortilèges», Ravels «Fantaisie lyrique» eine Kinderoper ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Nicht zu Unrecht wird heute vermutet, dass Ravel und seine Textdichterin Colette mit ihrem singenden Hausrat und klagenden Getier um einen künstlerischen Ausdruck rangen, der das Grauen des Ersten Weltkriegs ästhetisch fassen konnte. In der Perspektive der kindlichen Titelfigur wachsen die Gestalten aus Wohnzimmer und Garten zu bedrohlicher Größe an, sind selbst für die Augen und Ohren von Erwachsenen manchmal schwer erträglich.
An der Komischen Oper werden keineswegs Kriegsassoziationen geweckt. Doch die Inszenierung dieses Stücks entsprang auch nicht dem Willen zu pseudokindlicher Harmlosigkeit und buntem Naturalismus. Die Regisseurin Jetske Mijnssen und ihre Ausstatterin Mirella Weingarten zeigen die Welt des Kindes karg, in kühlem Blau. Sie reduzieren das Wohnzimmer des ersten Bildes auf eine kreisrunde weiße Spielscheibe, die im folgenden Bild zum riesigen Mond in einem nächtlichen Garten wird.
Wohl nicht zuletzt die prekäre finanzielle Ausstattung des Hauses an der Berliner Behrenstraße erzwingt bescheidene Lösungen. Sie erfordern indes ...
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Der russische Komponist Wladimir Deschewow – er lebte von 1889 bis 1955 – ist hierzulande nicht einmal dem Namen nach bekannt. Deschewow gehörte der «Assoziation für zeitgenössische Musik» an, der sich in den 1920er Jahren in Petrograd, dem späteren Leningrad und heutigen St. Petersburg, gebildet hatte. Dort rezipierte man die westliche Avantgarde, vor allem den...
Am Schluss wird dann doch die bisher so manierlich mit Choristen und Solisten bevölkerte Treppenhaus-Bühne geflutet. Das Meerwasser bahnt sich ungehindert seinen Weg; über Stufen, Türschwellen und aus Wandöffnungen strömend – und – wir sind im doch so erhaltenswerten Théâtre du Capitole de Toulouse – auf wundersame Weise trotzdem nicht in den Orchestergraben...
