Lobpreisungen der Liebe
Mit einem enormen Programm spielt das Festival d’Aix-en-Provence wieder vor vollen Rängen: Simon Rattle beleuchtet Wagners «Tristan» ganz neu und wird anstelle von Simon Stone zum eigentlichen Regisseur. Dafür findet der australisch-schweizerische Regisseur beeindruckende Bilder für Kaija Saariahos fünfte Oper «Innocence», die er gemeinsam mit Susanna Mälkki aus der Taufe hebt.
Wie Komödie ohne Klischees geht, demonstrieren Barrie Kosky und Daniele Rustioni mit ihrem Falstaff ohne Bauch, Thomas Hengelbrock dirigiert Mozarts «Nozze di Figaro», aus dem Lotte de Beer ein feministisches Lehrstück macht. Ein postpandemisches Fest der großen Oper.
Gibt es dialektisches Dirigieren? Sir Simon Rattle zeichnet das todestrunkene Nachtstück «Tristan und Isolde» mit seinem London Symphony Orchestra derart luzide als beglückende Feier des Lebens, dass man aus dem freudigen Staunen nicht herauskommt. Schon die ersten Takte des Vorspiels künden davon. Der Tristan-Akkord kommt wie aus dem Nichts, intoniert im zartesten Pianissimo, seine Sequenzen gleichen einem behutsam hochgespannten Werden und Wachsen, die Musik fängt an zu glühen – in bläulich hellem Glanz. Daraus scheint synästhetisch gar eine ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Festspiele Aix-en-Provence, Seite 4
von Peter Krause
Mit Zaubertränken ist das so eine Sache: Man muss dran glauben, sonst wirken sie nicht. In Bad Wildbad wurde ein solcher gereicht, verdienst- und eigentlich reizvoll, die «Moderne Erstaufführung» von Daniel-François-Esprit Aubers «Le philtre», dem «Liebestrank». Ist es nun Segen oder Fluch, dass man beim Hören ständig das emotional aufgeladenere, elegantere...
«Ohne die Corona-Pandemie und den Lockdown im Frühjahr 2020 gäbe es diese Aufnahmen nicht», sagt Hanna Herfurtner in einem im Booklet ihrer CD abgedruckten Gespräch mit dem Tonmeister Johannes Kammann. Die Sopranistin macht ihre existentiellen Erfahrungen mit der erzwungenen Isolation zum Thema ihres Konzeptalbums. Das Nachdenken über das Leben wird zum Nachdenken...
Es war ein durch und durch imposantes Bild: Sichtlich bewegt, dabei auf Social Distancing bedacht, hatten sich Hunderte von New Yorker Musikliebhabern rund um die Open-Air-Bühne des Lincoln Center im Damrosch Park versammelt, um die erste Opernaufführung überhaupt seit dem Lockdown im März 2020 mitzuerleben. Das grüne Areal – benannt ist es nach Leopold Damrosch,...
