Lobpreisungen der Liebe
Mit einem enormen Programm spielt das Festival d’Aix-en-Provence wieder vor vollen Rängen: Simon Rattle beleuchtet Wagners «Tristan» ganz neu und wird anstelle von Simon Stone zum eigentlichen Regisseur. Dafür findet der australisch-schweizerische Regisseur beeindruckende Bilder für Kaija Saariahos fünfte Oper «Innocence», die er gemeinsam mit Susanna Mälkki aus der Taufe hebt.
Wie Komödie ohne Klischees geht, demonstrieren Barrie Kosky und Daniele Rustioni mit ihrem Falstaff ohne Bauch, Thomas Hengelbrock dirigiert Mozarts «Nozze di Figaro», aus dem Lotte de Beer ein feministisches Lehrstück macht. Ein postpandemisches Fest der großen Oper.
Gibt es dialektisches Dirigieren? Sir Simon Rattle zeichnet das todestrunkene Nachtstück «Tristan und Isolde» mit seinem London Symphony Orchestra derart luzide als beglückende Feier des Lebens, dass man aus dem freudigen Staunen nicht herauskommt. Schon die ersten Takte des Vorspiels künden davon. Der Tristan-Akkord kommt wie aus dem Nichts, intoniert im zartesten Pianissimo, seine Sequenzen gleichen einem behutsam hochgespannten Werden und Wachsen, die Musik fängt an zu glühen – in bläulich hellem Glanz. Daraus scheint synästhetisch gar eine ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Festspiele Aix-en-Provence, Seite 4
von Peter Krause
Robert Wilson
Damals, im Sommer 1976, geschah der Musiktheater-Umsturz: Robert Wilson, 34-jähriger Texaner, präsentierte in Old Europe eine Kreation mit dem rätselhaft absurden Titel «Einstein on the Beach», die Minimal Music dazu lieferte der Amerikaner Philip Glass. Das Stück hatte von Avignon aus Furore gemacht, mit Gastspielen in einigen Theatermetropolen....
Er sei zu den Proben ins Theater geflogen, sagt Evgeny Titov und breitet die Arme aus. «Ich war diese Wochen durchweg glücklich. Das Ensemble und ich, wir waren wie eine Blutgruppe.» Sechs Kilo habe er abgenommen während der Zeit. Vermutlich, weil er auf der Bühne permanent auf maximalem Energielevel schwingt, selbst in jede Rolle einsteigt und das Ensemble mit...
Im Moskauer Saz-Kindermusiktheater wird die große Bühne saniert, alle Aufführungen finden deswegen auf der kleinen Bühne statt. Ende Juni zeigte man dort «Rotkäppchen» von César Cui, dem Mitglied des «Mächtigen Häufleins». Der Komponist schrieb seine Kinderoper 1911 ausdrücklich für Zarewitsch Alexej, den kranken Sohn Nikolai II. Allein für den maladen Thronfolger...
