Verklebte Seelen
«Perché il mio canto s’attrista – Warum wird mein Gesang traurig, ich habe ich nie gehört, wie ist er in mich geraten?», singt der Chor im Zentrum von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper – da ist das grausame Schuld- und Sühne-Spektakel schon im vollen Gange. «Ich beweine dieses Haus, dem der Untergang droht», klagt am Beginn der Wachposten auf einem in schwarzer Plastikfolie verhüllten Haus, diesem Ort der namenlosen Gewalt und des Mordens innerhalb der eigenen Familie.
Ein weiteres Mal also geht es auf der Opernbühne um den Untergang des Hauses des Tantaliden (oder Atriden) – nach Strauss, Milhaud, Křenek, Xenakis. In seinen «Szenen nach Aischylos», zu denen Sciarrino selbst den ersten Teil der Orestie skelettiert hat, fokussiert der Komponist die Handlung auf die Rückkehr des griechischen Feldherrn Agamemnon aus dem Trojanischen Krieg zu seiner Frau Klytemnästra. Agamemnon ist nicht allein, als Kriegsbeute und Sklavin hat er die Seherin Kassandra im Gepäck – für ihn ist das kein Problem, aber seine Gattin empfindet Kassandras Gegenwart als Provokation. Überhaupt hat sie Agamemnon nicht verziehen, dass er die gemeinsame Tochter Iphigenie opferte, nur um ungehindert aufs ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Michael Struck-Schloen
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Helene Berg gehörte noch zu jenen Künstlergattinnen, die, wie Cosima Wagner oder Alma Mahler, ihren Männern jene Ruhe und Ordnung boten, die diese für ihr Schaffen brauchten. «Ich lösche mich aus und will nur für Dich da sein.» An das am Vorabend der Hochzeit mit einem «Amen» schriftlich bekräftigte Versprechen hielt Helene Nahowski, eine natürliche Tochter Kaiser...
