Fragen: größer als der Raum selbst
Pierre Jodlowski hat sein 80-minütiges Musiktheater dem Mathematiker Alan Turing gewidmet. Sein genreübergreifendes Kammermusikwerk für eine Sängerin, einen Schauspieler, fünf Musiker und audiovisuelle Geräte ist voller Widersprüchlichkeiten – ähnlich wie das Leben des Protagonisten. Turing war ein Held im Hintergrund des Zweiten Weltkriegs: mathematisches Genie und Vater der künstlichen Intelligenz – und auch: offen homosexuell. Im puritanischen England lebte er damit als Krimineller. Deswegen wurde Turing 1952 gezwungen, sich einer chemischen Kastration zu unterziehen.
Ausgeschlossen aus wissenschaftlichen Kreisen und allmählich aus der Gesellschaft, starb Turing schließlich im Alter von 42 Jahren sehr zurückgezogen.
Das Libretto von Frank Witzel erzählt keine lineare Geschichte, sondern ist eher ein Psychogramm, bestehend aus mehreren Facetten – eine Art Collage aus diversen Puzzleteilen. Was hier Struktur gibt, das sind wiederkehrende Teile: ein Dialog zwischen Turing (Thomas Hauser) und einer Maschine, die ihm mit zunehmend verzerrter Stimme Fragen über Unsterblichkeit stellt, über den Unterschied zwischen Mensch und Maschine oder Schmerz. Zu diesen sehr philosophischen ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Sophie Emilie Beha
Beim letzten Neustart gab es Verdi: den allerdunkelsten von allen. Doch «Macbeth», im Oktober 2008 von Martin Kušej inszeniert, bescherte der Intendanz von Nikolaus Bachler einen holprigen Beginn. Und das nicht allein, weil der später aus dem Haus gedrängte GMD Kent Nagano übergangen wurde und Gast Nicola Luisotti dirigierte. Sondern auch, weil sich schon damals...
Die «Années folles», die Roaring Twenties nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bescherten mit ihrer Invasion des Jazz und der amerikanischen Motorik auch der französischen Operette eine letzte Blüte. Selbst für den graziös-eleganten Stil der älteren Meister wie Reynaldo Hahn oder André Messager, dessen comédie musicale «Passionnément» aus dem Jahr 1927 soeben in der...
Die Konstellation kommt nicht von ungefähr, sie hat ein Vorbild: ein Paar aus Frau und Mann, verklammert an einem Ort, der Geheimnisse und (vergebliche) Hoffnungen ebenso bereithält wie Offenbarungen. Erkennbar bezieht sich Péter Eötvös in seinem zehnten Musiktheater «Senza Sangue» auf den Einakter «Herzog Blaubarts Burg» seines Landsmannes Béla Bartók. Doch schon...
