Lob des Handwerks

Seit einem Jahr ist Oliver Mears Operndirektor an Covent Garden – ein Porträt

Opernwelt - Logo

Da sitzt er an der Orgel, im ersten Theater auf diesem Grund.» Der Operndirektor der Londoner Royal Opera schreitet sein Büro ab und erzählt von einer geplanten Händel-Serie. Die Bilder hat Oliver Mears sorgsam ausgewählt: Sie sagen viel aus über ihn, seine Suche nach einem Profil für Covent Garden. «Beggar’s Opera», Theaterbrand, Wiederaufbau. Mears unterstreicht, dass das Haus an Covent Garden nach dem Zweiten Weltkrieg geistig dem National Health Service nahe stand: für alle, nicht bloß die happy few.

Uraufführungen bleiben wichtig, sagt er, dabei deutet er auf John Pipers Entwürfe zu «Billy Budd». Spricht vor einer Szene aus Peter Brooks «Salome»-Produktion, über Autorentheater und Provokation. Mahler, Wagners «Ring» dirigierend: Symphonie-Dramatiker trifft Gesamtkunstwerk. Diese Menschenmassen, die in den 1920ern um Karten anstanden, wünscht er sich auch.

Der 39-Jährige mit den zarten Zügen tritt ernsthaft auf, er ist belesen, über die Maßen eloquent. Das passt. Einst wollte er Autor werden. Inszenierte sein erstes Drama selbst, schwenkte um auf Regie, heuerte als Assistent bei dem Dramatiker Howard Barker an. Nachdem er in London endlich seine erste Oper live gesehen hatte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2018
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Wiebke Roloff

Vergriffen
Weitere Beiträge
Klingende Kalligrafie

Die Figuren sind alte Bekannte. Wir kennen sie aus Kleists Novelle «Das Erdbeben in Chili». Josephe, das Mädchen aus gutem Hause, und Jeronimo, ihren Privatlehrer, in verbotener Liebe entflammt, Eltern des illegitimen, im Klostergarten gezeugten Knaben Philipp, von König, Kirche und Volk ob dieser Verfehlung dem Tode geweiht. Fernando, den hohen Herrn, und Elvire,...

Gestern im Heute

Bücher. Überall Bücher. Im ersten Akt stehen sie ziemlich ungeordnet in großen Regalen, der Raum mit seinen riesigen Säulen lässt an Herrschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts denken. Tatjanas Domizil, das Landgut ihrer Mutter, wirkt wie eine geheimnisvolle Bibliothek. Der zweite Akt spielt in einem Szeneclub. Auch hier der zeichenhafte Verweis auf das gedruckte...

Wie meinen?

Wer ist dieser Blaubart mit seinen sieben verschlossenen Türen, seinen blutbesudelten Waffen und seinen untoten Ex-Frauen? Ein Psychopath oder ein ganz normaler Typ? Trägt Judith an allem die Schuld, weil sie zu viele Fragen stellt? Sind wir gar alle ein bisschen Blaubart? Mit Janáćeks «Schlauem Füchslein», seiner ersten abendfüllenden Operninszenierung an La...