Gestern im Heute
Bücher. Überall Bücher. Im ersten Akt stehen sie ziemlich ungeordnet in großen Regalen, der Raum mit seinen riesigen Säulen lässt an Herrschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts denken. Tatjanas Domizil, das Landgut ihrer Mutter, wirkt wie eine geheimnisvolle Bibliothek. Der zweite Akt spielt in einem Szeneclub. Auch hier der zeichenhafte Verweis auf das gedruckte Wort: entsorgte Bände, beiläufig zur Deko geschichtet, obenauf eine Frau: Tatjana auf dem Bücherhaufen.
Im Palais des Fürsten Gremin schließlich mutieren sie zur alles erdrückenden, zwanghaft geordneten Kulisse (Bühne und Kostüme: Jamie Vartan). Als Onegin verzweifelt versucht, die einst Abgewiesene für sich zu gewinnen, zieht er in Rage ein paar Exemplare aus dem Regal – es sind bloß Holz-Attrappen. Um mit Wagners Nornen zu sprechen: Der Welt melden Weise nichts mehr. Auch die einstige Nonkonformistin Tatjana hat sich arrangiert mit den Verhältnissen.
Was Regisseur Frederic Wake-Walker, Gründer und Künstlerischer Leiter der englischen Mahogany Opera Group, mit Tschaikowskys «Lyrischen Szenen» nach Puschkin anstellt, ist originell. Sein «Onegin» spielt in einer Gegenwart, durch die sich die zentralen Akteure wie lebende ...
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