Lob der Oper

Sie waren beispiellos flexibel, unsere Opernhäuser in der Saison 20/21! Mit immer neu ausgetüftelten Distanzmodi im Zuschauerraum. Auf der Bühne wird mit Metermaß die Abstandeinhaltung geprüft. Chöre und Orchester singen und spielen, per Glasfaser zugeleitet, aus Probenräumen, so etwa im Züricher «Boris Godunow». Reduzierte Fassungen erlauben faszinierend neue Höreindrucke wie die «Onegin»-Fassung am Münchener Gärtnerplatztheater. Manches scheitert aber auch an der Reduzierung,  wie Mascagnis «Cavalleria Rusticana» in Stuttgart.

Bei Weinbergs «Masel Tov!» an der Oper am Rhein kitzelt auch die Kammerfassung Henry Kochs den jiddischen Tonfall heraus. In Glucks «Orfeo|Euridice»-Adaption für das Aalto-Theater in Essen inszeniert Paul-Georg Dittrich das Liebespaar als gespaltene Teile einer Persönlichkeit, wobei eingeblendete Video-Dokus mit Neurologen und Pflegepersonal aus dem Alfried Krupp Krankenhaus über Lockdown-Zustände von Patienten in diesen Zeiten gewollt wirken. Der Neuproduktion von Burroughs’ und Waits’ Anti-Musical «The Black Rider» am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier gelingt als pralle Show in psychedelischen Farben mit leibhaftigem Teufel im Spiel. Mit neun ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 135
von Sabine Weber («SWR2», «WDR3», Köln)

Weitere Beiträge
Politikfreie Zone

Schon lange vor Corona habe ich im Internet regelmäßig die aufgezeichneten Opernpremieren von Palermo bis Buenos Aires verfolgt und die Livestreams der deutschsprachigen Opernhäuser und Festspiele wahrgenommen. Auch in der zurückliegenden Spielzeit habe ich kaum ein Angebot von «ARTE Concert» und «Opera Vision» ausgelassen und mich vor allem in Berlin und München...

Starke Signale

Für mich zählen die Salzburger Festspiele zu den Pionieren in der Pandemie. Sie haben nicht nur frühzeitig ein Hygienekonzept erstellt, das als «Salzburger Modell» international zum Vorbild avancierte, sondern auch programmatisch Flagge gezeigt. Dass in diesem Rahmen Joana Mallwitz ihr absolut herausragendes Debüt absolvierte, als erste Dirigentin im Opernfach...

Kleine Wunder

Wer an die vergangene Saison denkt, muss von Leid sprechen. Am 1. März 2020 hatte eine «Winterreise» an Stuttgarts Staatsoper Premiere. Wie immer dabei der hochgewachsene Unternehmer und Mäzen Helmut Nanz, Vorsitzender der Bachakademie, Förderer des Stuttgarter Kammerorchesters, Sammler von Mozart-Autografen. Gut gelaunt tauschte der 76-Jährige mit vielen ein paar...