Liebestraum

Klangrede in Vollendung: Christophe Rousset und Les Talens Lyriques interpretieren Lullys «Psyché»

Opernwelt - Logo

Sie waren, weit vor den genialischen Gespannen Mozart/Da Ponte, Verdi/Boito und Strauss/Hofmannsthal, vermutlich das erste Traumpaar der Musikgeschichte: Jean-Baptiste Lully, hochherrschaftlicher Hofkapellmeister des Sonnenkönigs, und Philippe Quinault, sein Librettist. Beide können mit Fug und Recht als Schöpfer der Tragédie lyrique gelten, jener aufreizend affirmativen Form der höfischen Huldigungsoper, in der sich Louis XIV als milder und weiser Souverän ein ums andere Mal wiedererkennen und bestätigt sehen durfte.

Doch dann kam der Tag, an dem das gemeinsame Glück endete: Nach der Aufführung von Lullys «Isis» auf einen Text von Quinault war der geheiligte Zorn einer Hofdame entfacht und wollte nicht mehr weichen. Die Marquise de Montespan sah sich durch die Handlung dieses Bühnenwerks in ihrer Würde angetastet, und weil sie als Mätresse des Königs enormen Einfluss auf dessen Theatergeschmack besaß, wurde der freche Wortschöpfer in die Wüste gejagt. Lully stand plötzlich ohne Textdichter da, musste aber, um nicht seine hohe Position zu gefährden, weiter liefern. Also versicherte er sich, um einen weiteren Geniestreich vorlegen zu können, stehenden Fußes der Dienste von Thomas ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Well made play

Der kleine Amor hat spürbar Lust auf diesen Abend. Zu den ersten Takten des Vorspiels klettert er aus den Tiefen des Bühnenbodens herauf, richtet die Kissen und zieht beim übergroßen Himmelbett die Gardinen zu für das, was wir im Orchestergraben ohnehin schon deutlich hören: den Liebesrausch zwischen der Marschallin und ihrer jugendlichen Amour fou Octavian. Nicht...

Todestanz

Zwei Wochen nachdem Peter Konwitschny in Linz Verdis wegen ihrer angeblich krausen Handlung eher selten gespielte Oper «La forza del destino» auf bare 90 Minuten skelettiert hatte (OW 3/2023), präsentierte Lorenzo Fioroni in Saarbrücken das Melodramma in erschlagender Vollständigkeit. Gespielt wurde die Mailänder Zweitfassung aus dem Jahr 1869. Es war ein langer,...

Träum weiter Mensch!

Das Licht geht aus, wie von Geisterhand setzen sich die Tasten des Flügels in Bewegung. In der Mitte des Raumes beginnt sich die kreisförmige Zuschauertribüne um die eigene Achse zu drehen. Langsam fährt das verblüffte Publikum an Podesten vorbei, auf denen mehrere Sängerinnen und Sänger in blau leuchtenden Perücken hinter halbdurchsichtigen Gaze-Schleiern sitzen –...