Liebestod am Meer
Unter Großbritanniens Komponistinnen war sie die Pionierin schlechthin, die größten Erfolge mit ihren reichinstrumentierten Bühnenwerken aber erzielte Ethel Smyth in Deutschland, wo sie eine Zeitlang studiert hatte. «Der Wald» auf ein Libretto von Smyth etwa wurde im April 1902 am Königlichen Opernhaus zu Berlin unter Leitung von Karl Muck uraufgeführt (und immerhin wenige Monate später auch in London positiv aufgenommen); ein Jahr später kam das Musikdrama mit romantischem Einschlag an der New Yorker Metropolitan Opera heraus.
Traurig nur, dass «Der Wald» für schier unglaubliche 113 Jahre die letzte Oper einer Komponistin sein sollte, die dort gezeigt wurde.
Ihr bestes Werk war es nicht. Smyth’ bemerkenswerteste Schöpfungen sind vielmehr jene zwei «maritimen» Werke, die in ihrer Farbgebung auch nachfolgende Komponisten ihres Heimatlandes, darunter Ralph Vaughan Williams und Benjamin Britten, beeinflussten: «The Wreckers» (1906) und «The Boatswain’s Mate» (1916). Erstgenanntes Opus auf ein ursprünglich französischsprachiges Libretto von Henry Bennet Brewster (das die Komponistin für die Londoner Premiere, bei der sie selbst am Pult stand, ins Englische übersetzte) spielt im 18. ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 43
von David Shengold
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