Das Schöne, Wahre, Gute
Zeitgeschichte und reale Lebenswelt spielen im Musiktheater unserer Tage oft nur eine marginale Rolle: Krieg der Zivilisationen, Massenarbeitslosigkeit, Naturkatastrophen – von derlei Phänomenen mögen Millionen betroffen sein, doch als Stoff, aus dem bewegende Opern zu gewinnen wären, taugen sie deshalb noch lange nicht. Statt auf der Bühne Probleme des banalen Lebens zu verhandeln, beschäftigen sich Komponisten wie Librettisten lieber mit hoher Literatur oder letzten Dingen: mit Märchen und Mythen zum Beispiel, dem Allmächtigen oder den Mysterien spiritueller Erkenntnis.
Gerade in einer entzauberten Welt, so scheint es, wächst das Bedürfnis, sich verzaubern zu lassen – und die Bereitschaft, den Zumutungen des Alltags die Verheißungen wohltemperierter Kunst-Sublimierung entgegenzusetzen.
Dass ein unerschrockener Gottesmann wie Martin Luther jüngst gleich zweimal zum Helden einer Oper avancierte, passt vor solchem Hintergrund ins Bild: Peter Aderholt verfasste sein Opus über den Wittenberger Reformator zur Eröffnung des Opernhauses in Erfurt (2003), drei Jahre zuvor war bereits in Helsinki eine klingende «Luther»-Biografie des finnischen Rautavaara-Schülers Kari Tikka uraufgeführt ...
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Mit der Oper verhalte es sich wie mit der Liebe, meinte der Schriftsteller Jean Giraudoux: «Das Schönste daran ist die Ouvertüre.» Das alte Vorurteil, das er für diesen Aphorismus missbrauchte – Oper sei langweilig –, wird freilich dadurch aufgehoben, dass er Gleiches auch von der Liebe behauptete.
Uneingeschränkte Liebe zur Oper pulst bei Naxos’ Reihe «Opera...
Dass Wagners frühe «Feen» kaum gespielt werden, hat viele Gründe. Vor allem liegt es am Komponisten selbst. Bekanntlich ackerte sich Wagner nicht nur an der Idee des Gesamtkunstwerks ab, sondern versuchte auch, sein eigenes Schaffen als ästhetisches Integral zu vermitteln. Dazu passten seiner Meinung nach weder «Die Feen» noch «Das Liebesverbot» oder «Rienzi»....
Giacomo Puccinis «Madama Butterfly» war immer wieder dem Verdacht ausgesetzt, mehr Kitsch und Operette als große Oper zu bieten. Die Nürnberger Neuproduktion räumt gründlich mit dieser Fehlinterpretation auf – und zwar szenisch wie musikalisch. Dass die Premiere mit der zweiten Amtseinführung von George W. Bush zusammenfiel, war sicher ein Zufall, aber...
