Liebeslieder für die Ewigkeit
Der weise Augustinus hatte ein höchst ambivalentes Verhältnis zur Musik. Einerseits war sie ihm verwerflicher sinnlicher Genuss, eine nachgerade unsittliche tentatio, andererseits bekannte er, eben dieser Versuchung, dem verführerischen Reiz des Klingenden, in schwachen Augenblicken zuweilen zu erliegen. Blaise Pascal wiederum sah darin eine logique du cœur; für ihn war die liebende Haltung zum Gegenstand gleichbedeutend mit der wahren Erkenntnis dieses Gegenstandes.
«Das Herz», schlussfolgerte der französische Philosoph, «hat seine Vernunftgründe, welche die Vernunft nicht kennt». Erst die Liebe mache sehend. Sei sie profan oder heilig.
Man darf mit Recht annehmen, dass sich der gute Pascal mit dem größten Behagen zurückgelehnt hätte, wäre er in den Genuss einer Aufnahme gekommen, welches bereits qua Titel eine Hommage an die schönste Empfindung darstellt: «amor eterno», heißt es und versammelt französische, italienische und spanische Monodien, Madrigale, Villanellen und Airs de Cour von der frühesten Renaissance bis zum Barock. Und schon zum Auftakt dieses klug konzipierten Albums («Feuillages verts, naissez» aus den «Brunettes» von Marc-Antoine Charpentier) vermeint man ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 35
von Jan Verheyen
Zur Schweiz gehört, dass das Volk über alles Mögliche abstimmen kann. Warum also nicht auch einmal über den Ausgang einer Oper? Konkret fragt das Luzerner Theater sein Publikum, ob Carmen am Ende sterben soll. Aber wer stimmt heute schon für einen Femizid? Dennoch sollen sich in der besuchten Vorstellung 38 Prozent (!) für Carmens Tod ausgesprochen haben. Carmen...
Für das stetig anwachsende Interesse an der französischen Oper des 18. Jahrhunderts gibt es zahlreiche und vielfältige Gründe. Einer der wichtigsten ist wohl das Engagement des Centre de musique baroque de Versailles, das nicht nur exzellente Editionen bisher kaum beachteter Bühnenwerke herausgibt, sondern ganz bewusst auch Aufnahmen dieser Raritäten initiiert und...
Man kann in der Weser baden. Man kann es auch sein lassen, denn sie ist wie jedes Gewässer dieser Art unberechenbar. Lastkähne ziehen ihre Kielspur durch den Strom, der schon mehrmals vertieft wurde, die Fließgeschwindigkeit ist hoch, die Verwirbelungen werden unterschätzt. Das alles hält Nadine Lehner nicht davon ab, am Strand beim Café Sand ins Wasser zu steigen....
