Bremer Freiheit
Man kann in der Weser baden. Man kann es auch sein lassen, denn sie ist wie jedes Gewässer dieser Art unberechenbar. Lastkähne ziehen ihre Kielspur durch den Strom, der schon mehrmals vertieft wurde, die Fließgeschwindigkeit ist hoch, die Verwirbelungen werden unterschätzt. Das alles hält Nadine Lehner nicht davon ab, am Strand beim Café Sand ins Wasser zu steigen. Die Sängerin lässt sich überhaupt nur von wenig abschrecken, schon gar nicht von Rollen, die andere das Fürchten lehren, auch nicht von Regisseuren mit krassen Einfällen.
Jenůfa, Lady Macbeth und Herodias, Marie aus «Wozzeck», Amanda aus «Le Grand Macabre» oder die irrlichternde Exaltation der Frau in Poulencs Mono-Oper «Le Voix humaine», solche bedrohten und bedrohlichen Charaktere sind ihr gerade recht. «Ich suche die Herausforderung», sagt sie, «komplexe Partien, für die ich mein Herzblut geben kann. In der Oper erlebt man den Künstler unmittelbar auf der Bühne, und das ist etwas anderes als auf dem Sofa vor dem Fernseher zu sitzen. Es gibt keinen doppelten Boden, keinen Schnitt, kein Sicherheitsnetz. Alles entsteht im Moment. Und genau darin liegt die Kraft dieser Kunstform: Ein Mensch durchlebt mit jeder Faser, was ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2026
Rubrik: Porträt, Seite 76
von Volker Tarnow
Ergeben reißt ein schmalschultriger, lockenköpfiger Junge die Arme nach oben – und fällt in die Tiefe. Ist er gestolpert? Hat er sich absichtlich hinunter in den Tod gestürzt? Oder ist er vor Erschöpfung schlicht zusammengebrochen? Und was hat sein Lehrmeister, der Fischer Peter Grimes, damit zu tun, der von den Dorfbewohnern argwöhnisch beäugt wird und in dessen...
JUBILARE
Seinen 85. Geburtstag feiert Paul Frey, der am 20. April 1941 in Heidelberg, Ontario, zur Welt kam. Der Tenor studierte am Konservatorium von Toronto, kam 1977 nach Europa und wurde ein Jahr später ans Theater Basel verpflichtet. Dort debütierte er als Massenets Werther und war anschließend in den großen Tenorpartien der Opern Mozarts und Verdis sowie als...
Siegfried, Bergfried, Gottfried oder Wahnfried – das klingt nach germanischem Musikdrama, nach bürgerlichem Ernst, Leitmotivik und Sitzfleisch. Genauso knietief in der Nationalromantik steckt «Zornfried», der 2019 erschienene Roman von Jörg-Uwe Albig, den Philipp Krebs nun als großes Musiktheater für das Staatstheater Kassel komponiert hat. Die Geschichte beginnt...
