Bremer Freiheit
Man kann in der Weser baden. Man kann es auch sein lassen, denn sie ist wie jedes Gewässer dieser Art unberechenbar. Lastkähne ziehen ihre Kielspur durch den Strom, der schon mehrmals vertieft wurde, die Fließgeschwindigkeit ist hoch, die Verwirbelungen werden unterschätzt. Das alles hält Nadine Lehner nicht davon ab, am Strand beim Café Sand ins Wasser zu steigen. Die Sängerin lässt sich überhaupt nur von wenig abschrecken, schon gar nicht von Rollen, die andere das Fürchten lehren, auch nicht von Regisseuren mit krassen Einfällen.
Jenůfa, Lady Macbeth und Herodias, Marie aus «Wozzeck», Amanda aus «Le Grand Macabre» oder die irrlichternde Exaltation der Frau in Poulencs Mono-Oper «Le Voix humaine», solche bedrohten und bedrohlichen Charaktere sind ihr gerade recht. «Ich suche die Herausforderung», sagt sie, «komplexe Partien, für die ich mein Herzblut geben kann. In der Oper erlebt man den Künstler unmittelbar auf der Bühne, und das ist etwas anderes als auf dem Sofa vor dem Fernseher zu sitzen. Es gibt keinen doppelten Boden, keinen Schnitt, kein Sicherheitsnetz. Alles entsteht im Moment. Und genau darin liegt die Kraft dieser Kunstform: Ein Mensch durchlebt mit jeder Faser, was ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Porträt, Seite 76
von Volker Tarnow
Dieser «Wozzeck» ist ein Naturereignis – in doppeltem Sinne. Zum einen gilt das für die ganze Aufführung: Im Nu ist man gefangen in einer düsteren Phantasmagorie, einer dunklen Welt mystischen Leidens voll süßer Schmerzen und gruseliger Rätsel, in der Verschwisterung mittelalterlicher und neuzeitlicher, im wahrsten Sinne brand -aktueller Dystopien, die optisch an...
Wenn im vierten Akt der «Morgiane» die Heldinnen und Helden sich im Kerker des Sultans von Isfahan wiederfinden, gelingen dem Komponisten Momente von hoher Dichte und Intensität. Kourouschah hatte die junge Amine bei ihrer Hochzeitsfeier im ersten Akt gewaltsam entführen lassen, um sie nach Despotenart zu seiner Frau zu machen – nicht wissend, dass es sich um seine...
Mit dieser Helikoptermutter sollte man sich besser nicht anlegen. Die Titelheldin von Donizettis Komischer Oper «La Mamma!» ist eine echte Teufelsmama, die sofort die Krallen ausfährt, wenn es um den Nachwuchs geht. Um ihre Tochter, die gerade ihr erstes Engagement als Sopranistin antritt, in die beste Startposition zu bugsieren, mischt sie den Theaterbetrieb...
