Bremer Freiheit

Seit 20 Jahren gehört Nadine Lehner zum Ensemble des Theaters in der Hansestadt. Die Bandbreite ihres Repertoires ist enorm, zuletzt triumphierte die Sopranistin als Renata in Prokofjews «Feurigem Engel». Porträt einer Unerschrockenen

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Man kann in der Weser baden. Man kann es auch sein lassen, denn sie ist wie jedes Gewässer dieser Art unberechenbar. Lastkähne ziehen ihre Kielspur durch den Strom, der schon mehrmals vertieft wurde, die Fließgeschwindigkeit ist hoch, die Verwirbelungen werden unterschätzt. Das alles hält Nadine Lehner nicht davon ab, am Strand beim Café Sand ins Wasser zu steigen. Die Sängerin lässt sich überhaupt nur von wenig abschrecken, schon gar nicht von Rollen, die andere das Fürchten lehren, auch nicht von Regisseuren mit krassen Einfällen.

Jenůfa, Lady Macbeth und Herodias, Marie aus «Wozzeck», Amanda aus «Le Grand Macabre» oder die irrlichternde Exaltation der Frau in Poulencs Mono-Oper «Le Voix humaine», solche bedrohten und bedrohlichen Charaktere sind ihr gerade recht. «Ich suche die Herausforderung», sagt sie, «komplexe Partien, für die ich mein Herzblut geben kann. In der Oper erlebt man den Künstler unmittelbar auf der Bühne, und das ist etwas anderes als auf dem Sofa vor dem Fernseher zu sitzen. Es gibt keinen doppelten Boden, keinen Schnitt, kein Sicherheitsnetz. Alles entsteht im Moment. Und genau darin liegt die Kraft dieser Kunstform: Ein Mensch durchlebt mit jeder Faser, was ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Porträt, Seite 76
von Volker Tarnow

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