Liebesgrüße aus Hollywood
Zugegeben, kurz erschrickt man schon, wenn sich der Vorhang öffnet und den Blick auf hypernaturalistische Kulissen freigibt: In handwerklich exzellenter Ausführung ist der Originalschauplatz von Camille Saint-Saëns «Samson et Dalila» nachgebildet, ein Dorf im Tal Sorek. Rechterhand steht eine Reihe von Lehmhäusern, linkerhand erheben sich Felsen. Hat die Berliner Staatsoper hier das Bühnenbild der Berliner Erstaufführung aus dem Jahr 1901 nachbauen lassen?
Schon bald aber wird klar, dass die Inspirationsquelle des Regisseurs Damián Szifron das klassische amerikanische Kino ist.
1949 brachte die Paramount ihre Monsterproduktion von «Samson and Delilah» heraus, mit Hedy Lamarr als Diva und wogenden Statistenmassen. Und es ist wahrlich eines Cecil B. DeMille würdig, was Bühnenbildner Etienne Pluss und Kostümdesignerin Gesine Völlm jetzt Unter den Linden aufbieten. Im Zwischenspiel zum zweiten Akt fährt lautlos eine Felsenhöhle aus dem Bühnenuntergrund hoch, in der echtes Feuer brennt, während draußen der Nebel wabert und Blitze zucken. Und im Finalakt, der bühnenfüllend den Tempel der Philister zeigt, spielt sich eine Orgie ab, wie sie sich perverser, brutaler und authentischer kaum ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Frederik Hanssen
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