Liebesexperiment

Nicholas McGegan entdeckt «Rinaldo» als Vorläufer von «Così fan tutte»

«Rinaldo» gehört zu jenen Händel-Opern, die in den letzten Jahren erstaunlich oft auf der Bühne erschienen und von Christopher Hogwood und René Jacobs gleich zweimal hochkarätig eingespielt worden sind. Der ungeschnittene und daher störgeräusch-­intensive Mitschnitt einer Aufführung der Göttinger Händel-Festspiele 2004 mit dem Concerto Köln unter Nicholas McGegan vermag trotzdem eine neue Lesart des Werkes vorzulegen.

Anders als Jacobs, der mit seinen Sängern in extravaganten Verzierungen schwelgt und berückende Klangwirkungen aus Details des Orchestersatzes holt, musiziert McGegan die Zauberoper mit klarem Blick auf die Fabel. Und siehe da: «Rinaldo» entpuppt sich als Händels «Così fan tutte». Zwei Paare im Liebesexperiment: Rinaldo und Almirena stürzen sich in die betörende Sinnenwelt des Orients und kommen mit ­einem blauen Auge davon, während sich die Bösewichter, Argante und Armida – Händel hat einen sarkastischen Humor –, in ihren ­eigenen Zaubereien verheddern und sich über Kreuz in ihre Gegner verlieben. Am Ende finden die «Richtigen» nolens volens wieder zueinander. Aber wie lange werden die Beziehungen halten?
McGegan macht sowohl die Geometrie des Liebesexperiments als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Platten, Seite 54
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Plattenbauoperette

Das alte Klagelied der Leichten Muse: Warum gibt es keine neuen, aktuellen Operetten mehr? Immer nur Wien, Wien, nur du allein, und natürlich Offenbach. Der schaute seiner Zeit und deren Gesellschaft bissig-witzig-aggressiv mit intelligenter Musik und pointierten Texten ins Gesicht und kalte Herz. Noch heute amüsiert uns das, die Machart vor allem, denn die...

«Verantwortung kennen hier die wenigsten»

Herr Kuˇsej, Sie sollten 2004 in Bayreuth «Parsifal» inszenieren und in­­szenieren nun «Carmen», von Nietzsche als Gegengift zu Wagner empfohlen. War das Ihr Wunsch?
Nein, ich habe nie Wünsche in der Oper. Ich lasse mich gern verführen von Dirigenten oder Intendanten, die glauben, dass ich das eine oder andere Stück mit ihnen machen soll. Ich hatte große Vorbehalte...

Das komponierte Ensemble

Die klassische Situation: Eine bestimmte Anzahl von Menschen aus verschiedenen Ländern, unterschied­licher Herkunft, beiderlei Geschlechts, gerät auf einer gemeinsamen Reise aufgrund höherer Gewalt in die berüchtigte «Inselsituation»: Es gibt keinen Ausweg, keiner kann dem anderen ausweichen, man muss sich arrangieren, die Zeit totschlagen oder – wie im...