Lieber keine Apotheose
Und ewig rumort die Antike. Mögen die erhabenen Mythen um Götter und Menschen an Signifikanz verloren haben, so treiben doch die uralten Stoffe weiter, zumal in Literatur, Theater, Oper und Film. Ob überhaupt, wann, wo und wie der Trojanische Krieg stattgefunden hat, ist strittig, nicht aber die Relevanz der Sujets: Die Atriden-Schrecknisse, das «Ilias»-Gemetzel, die Horror-Irrfahrten und glückliche Heimkehr des Odysseus sind zwar erhabenes «abendländisches» Kulturgut. Doch der Name Homer allein löst keine ehrfürchtigen Schauer mehr aus.
Und Winckelmanns idealisierende Antiken-Beschwörung «edle Einfalt, stille Größe» wird durch die «Sex and crime»-Realitäten der Vorlagen drastisch konterkariert.
Die Welt der alten Griechen wäre ferngeblieben, hätte nicht gerade die Odysseus-Rezeption einen epochalen Schub durch James Joyce und seinen «Ulysses»-Roman erhalten, in dem Dublin zum mythischen Kosmos ganz anderer Art mutierte und Molly Bloom zur Wiedergeburt der endlos des Odysseus Heimkehr harrenden Penelope; allerdings nicht als edle Dulderin, sondern als erotische Tagträumerin. Wer sich kompositorisch Odysseus zuwandte, imaginierte ihn meist über Joyce: Dallapiccola, Berio, Zender; ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard R. Koch
Dass in dem Wort Qualle die Qual enthalten ist, wäre eine kalauernde Erklärung, warum während des Finales im dritten «Figaro-Akt eine gewaltige Medusa mit Tentakeln sich wie ein fahler Mond am Horizont erhebt. Klar, eine Metapher, trotzdem unschön anzusehen, wie die seelische Qual, die sich hier das Hauptpersonal gegenseitig bereitet. Für Programmheftleser...
Die «Walküre» wartet mit den Kulissen auf, die wir schon aus dem «Rheingold» kennen (siehe OW 1/2019). Allerdings wurden etliche der Pressspantafeln aus den hohen Wänden gebrochen und liegen trümmergleich am Boden. An Göteborgs Opernhaus ist die Zersetzung von Alison Chittys Einheitsbühne, die in «Siegfried» und «Götterdämmerung» fortgeschrieben werden soll, längst...
Als im Jahr 1876 das «Rheingold» zum ersten Mal in Bayreuth erklang, ließ Richard Wagner das tiefe Es des Beginns von einer Orgel unterstützen. Im Festspielhaus gibt es sie heute nicht mehr, auch in der Partitur ist sie nicht notiert. Wahrscheinlich waren Wagner die Kontrabässe auf den zeitgenössischen Darmsaiten schlicht zu leise, wie er etwa auch die Bratschen...
