Lieber keine Apotheose
Und ewig rumort die Antike. Mögen die erhabenen Mythen um Götter und Menschen an Signifikanz verloren haben, so treiben doch die uralten Stoffe weiter, zumal in Literatur, Theater, Oper und Film. Ob überhaupt, wann, wo und wie der Trojanische Krieg stattgefunden hat, ist strittig, nicht aber die Relevanz der Sujets: Die Atriden-Schrecknisse, das «Ilias»-Gemetzel, die Horror-Irrfahrten und glückliche Heimkehr des Odysseus sind zwar erhabenes «abendländisches» Kulturgut. Doch der Name Homer allein löst keine ehrfürchtigen Schauer mehr aus.
Und Winckelmanns idealisierende Antiken-Beschwörung «edle Einfalt, stille Größe» wird durch die «Sex and crime»-Realitäten der Vorlagen drastisch konterkariert.
Die Welt der alten Griechen wäre ferngeblieben, hätte nicht gerade die Odysseus-Rezeption einen epochalen Schub durch James Joyce und seinen «Ulysses»-Roman erhalten, in dem Dublin zum mythischen Kosmos ganz anderer Art mutierte und Molly Bloom zur Wiedergeburt der endlos des Odysseus Heimkehr harrenden Penelope; allerdings nicht als edle Dulderin, sondern als erotische Tagträumerin. Wer sich kompositorisch Odysseus zuwandte, imaginierte ihn meist über Joyce: Dallapiccola, Berio, Zender; ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard R. Koch
Orlando revisited
Virgina Woolfs «Orlando»-Roman gehört zu den Schlüsseltexten im geistigen Kosmos der der Komponistin Olga Neuwirth. Ihr gleichnamiges Musiktheater auf den Stoff hat sie im Auftrag der Wiener Staatsoper geschrieben. Dirigent der Uraufführungsproduktion ist Matthias Pintscher (auf dem Foto beim Studium der Partitur)
Zurück in die Zukunft
Jacques...
Zugegeben, kurz erschrickt man schon, wenn sich der Vorhang öffnet und den Blick auf hypernaturalistische Kulissen freigibt: In handwerklich exzellenter Ausführung ist der Originalschauplatz von Camille Saint-Saëns «Samson et Dalila» nachgebildet, ein Dorf im Tal Sorek. Rechterhand steht eine Reihe von Lehmhäusern, linkerhand erheben sich Felsen. Hat die Berliner...
Dass der Wagner-Novize Valentin Schwarz 2020 in Bayreuth den «Ring des Nibelungen» inszenieren soll, war ebenso eine Überraschung wie die Nominierung des musikalischen Leiters Pietari Inkinen. Der Finne, geboren 1980, hat den «Ring» immerhin schon dirigiert, 2013 im australischen Melbourne. Eine Vorstellung von Künftigem bietet nun eine CD mit dem gekürzten...
