Lieber keine Apotheose

Geglückte Schatzsuche: Die Oper Frankfurt holt Gabriel Faurés «Pénélope» aus der Versenkung, in einer vorzüglichen Inszenierung von Corinna Tetzel und dem in großen Bögen atmenden Dirigat von Joana Mallwitz

Opernwelt - Logo

Und ewig rumort die Antike. Mögen die erhabenen Mythen um Götter und Menschen an Signifikanz verloren haben, so treiben doch die uralten Stoffe weiter, zumal in Literatur, Theater, Oper und Film. Ob überhaupt, wann, wo und wie der Trojanische Krieg stattgefunden hat, ist strittig, nicht aber die Relevanz der Sujets: Die Atriden-Schrecknisse, das «Ilias»-Gemetzel, die Horror-Irrfahrten und glückliche Heimkehr des Odysseus sind zwar erhabenes «abendländisches» Kulturgut. Doch der Name Homer allein löst keine ehrfürchtigen Schauer mehr aus.

Und Winckelmanns idealisierende Antiken-Beschwörung «edle Einfalt, stille Größe» wird durch die «Sex and crime»-Realitäten der Vorlagen drastisch konterkariert.

Die Welt der alten Griechen wäre ferngeblieben, hätte nicht gerade die Odysseus-Rezeption einen epochalen Schub durch James Joyce und seinen «Ulysses»-Roman erhalten, in dem Dublin zum mythischen Kosmos ganz anderer Art mutierte und Molly Bloom zur Wiedergeburt der endlos des Odysseus Heimkehr harrenden Penelope; allerdings nicht als edle Dulderin, sondern als erotische Tagträumerin. Wer sich kompositorisch Odysseus zuwandte, imaginierte ihn meist über Joyce: Dallapiccola, Berio, Zender; ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard R. Koch

Weitere Beiträge
Gott lebt

Wenn eine Welt, in der Adolf Hitler geradewegs mit Gott identisch ist, auf der Opernbühne reflektiert wird, dann muss sich «Wotan» gar unheilig imperfekt und respektlos auf «Truthahn» reimen. Dann erheben sich rechte Arme nicht nur einfach so immer wieder zum deutschen Gruß stramm himmelwärts. Derlei Gesten aus dunkeldeutscher Zeit werden vom Orchester allzu gern...

Impressum Januar 2020

61. Jahrgang, Nr 1
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752329

REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de

REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
Albrecht Thiemann

REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion...

Nicht ohne Frivolität

Edgar Degas war als Vorläufer impressionistischer Tendenzen nicht nur ein hervorragender Maler, Zeichner und subtiler Farbjongleur des Pastells, sondern ein ebenso genauer Beobachter mit ausgeprägten experimentellen Interessen. Die aufkommende Fotografie nutzte er für die bildnerische Präzision der Bewegungswiedergabe. Berühmt und gerühmt wurden seine dynamischen...