Liebe und (Unter)Leibeigenschaft
Bei der Uraufführung klang es nach Vorwurf. «Katja Kabanova» sei eine «realistische» Oper, hieß es damals. Sie sei darin gnadenlos und letztlich kunstfremd. Später wurde daraus ein Lob: Janácek, der genaue Beobachter, untrüglich der Wahrheit auf der Spur. Noch später war die Sache mit dem Realismus ein Klischee, das sich durch die Aufführungen zog und nur selten reflektiert wurde. Schlechte «Katja»-Produktionen sehen aus wie «Cavalleria rusticana» (ein Stück übrigens, von dem Janácek begeistert war) mit der falschen Musik. Gute «Katja»-Produktionen schaffen sich Fallhöhe.
Sie reagieren auf den Realismus, der in Motivkürzeln, Sprachmelodik und Kleinbürgersujet gleichermaßen steckt, indem sie ihn als ein Stilmittel unter vielen verstehen. Jossi Wieler und Sergio Morabito haben das jüngst in Stuttgart versucht (OW 7/2010); ebenso Michael Thalheimer an der Berliner Staatsoper (OW 4/2005). Christoph Marthaler ist auf diese Weise in Salzburg ein großer Wurf gelungen, weil er Hören und Sehen auseinanderdividierte, um beides spannungsvoll neu zusammenzusetzen (OW 9-10/1998).
Auch Andrea Breth, die jetzt (nach Gluck, der «Verkauften Braut», «Carmen» und «Eugen Onegin») ihre erste ...
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Sein großes Verdienst ist, dass er Wagner nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in
St. Petersburg hoffähig gemacht hat. Mit «Lohengrin», «Holländer», dem ganzen «Ring» und mit «Parsifal»: Valery Gergiev, der Unermüdliche, hat nach russischem Repertoire (klar!) und Ausflügen ins italienische Fach (etwa mit der in Petersburg uraufgeführten Originalfassung von Verdis...
Im gegen den Zuschauerraum weiß abgeschirmten Bühnenportal tut sich während der Ouvertüre ein kleines Rechteck auf, man sieht altertümliche Modellhäuschen, Giebelchen, Türmchen. Dann kommen Kinder und räumen das Ganze weg, auf Nimmerwiedersehen. Alt-Nürnberg als Kinderkram? Bezieht der Titel dieser Oper sich nicht metaphorisch, aber eindeutig auf das Nürnberg der...
Es ist verlockend, aus der diesjährigen Saisoneröffnung an Roms Santa Cecilia eine kulturpolitische Botschaft herauszulesen. Gerade in dem Moment, da die Existenz der italienischen Opernhäuser durch die Sparpläne der Regierung gefährdet ist, bringt das Orchester der Hauptstadt mit Rossinis «Guillaume Tell» eine Oper, die zum Aufstand gegen Tyrannei und...
