Flower-Power

Linz: Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg

Opernwelt - Logo

Im gegen den Zuschauerraum weiß abgeschirmten Bühnenportal tut sich während der Ouvertüre ein kleines Rechteck auf, man sieht altertümliche Modellhäuschen, Giebelchen, Türmchen. Dann kommen Kinder und räumen das Ganze weg, auf Nimmerwiedersehen. Alt-Nürnberg als Kinderkram? Bezieht der Titel dieser Oper sich nicht metaphorisch, aber eindeutig auf das Nürnberg der Zünfte, also auf eine bestimmte Stadtwelt in einer bestimmten Epoche? Gewinnt der Ort seine künstlerische Überzeugung nicht gerade daraus, dass er auch als geschichtlicher verwirklicht wird? Gehört das Nürnberg des 16.

Jahrhunderts nicht, wie Carl Dahlhaus feststellte, zur Substanz dieser Oper?

Olivier Tambosi, Regisseur von Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» in Linz, sucht statt der Nürnberger Enge die weite Welt. Nachdem die Modellhäuschen abgeräumt sind, schlendern Männer und Frauen auf die inzwischen offene Bühne – in Jeans und T-Shirts, Letztere mit Namen von Städten aller Kontinente bedruckt (nur Nürnberg scheint nicht dabei). Auf eine Art Brecht-Gardine sprayt jemand «Hier gilt’s der Kunst», jenes Zitat aus den «Meistersingern», mit dem die Brüder Wagner sich nach dem Krieg erbaten, «von Gesprächen und Debatten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Geisterhaus

Dieses Stück bleibt ein Rätsel. Was passiert denn nun wirklich im einsamen Gutshaus Bly? Sprechen die Geschwister Flora und Miles mit Gespenstern, oder steigert sich ihre Gouvernante nur in Wahnvorstellungen hinein? Myfanwy Piper, die Librettistin von Benjamin Brittens «Turn of the Screw», hält es da mit Henry James, dem Autor der literarischen Vorlage: Der habe...

Wo ein Wille ist, ist manchmal auch ein Weg

Ein wenig erinnert er an Peer Gynt. Wie der Titelheld aus Ibsens Drama, so ist auch Stefan Solyom viel herumgekommen in der Welt. Doch die Motivation hinter der Reiserei könnte unterschiedlicher nicht sein. Gynt, der Unglücksrabe, sucht (vergeblich) das Leben und die Liebe. Solyom, das Glückskind, hat beides schon gefunden. Und dazu seinen ersten festen Job. Seit...

Aus dem Pappkarton

Was tut ein Opernregisseur, wenn er Richard Wagners «Götterdämmerung» einem Theater als Einzelstück versprochen hat und danach unerwartet den gesamten «Ring des Nibelungen» angeboten bekommt? Auf das Einzelstück verzichten, auf den Zyklus verzichten oder gleich alles liefern? Der Australier Barrie Kosky, dem das Neinsagen offenbar schwer fällt, hat sich für die...