Flower-Power
Im gegen den Zuschauerraum weiß abgeschirmten Bühnenportal tut sich während der Ouvertüre ein kleines Rechteck auf, man sieht altertümliche Modellhäuschen, Giebelchen, Türmchen. Dann kommen Kinder und räumen das Ganze weg, auf Nimmerwiedersehen. Alt-Nürnberg als Kinderkram? Bezieht der Titel dieser Oper sich nicht metaphorisch, aber eindeutig auf das Nürnberg der Zünfte, also auf eine bestimmte Stadtwelt in einer bestimmten Epoche? Gewinnt der Ort seine künstlerische Überzeugung nicht gerade daraus, dass er auch als geschichtlicher verwirklicht wird? Gehört das Nürnberg des 16.
Jahrhunderts nicht, wie Carl Dahlhaus feststellte, zur Substanz dieser Oper?
Olivier Tambosi, Regisseur von Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» in Linz, sucht statt der Nürnberger Enge die weite Welt. Nachdem die Modellhäuschen abgeräumt sind, schlendern Männer und Frauen auf die inzwischen offene Bühne – in Jeans und T-Shirts, Letztere mit Namen von Städten aller Kontinente bedruckt (nur Nürnberg scheint nicht dabei). Auf eine Art Brecht-Gardine sprayt jemand «Hier gilt’s der Kunst», jenes Zitat aus den «Meistersingern», mit dem die Brüder Wagner sich nach dem Krieg erbaten, «von Gesprächen und Debatten ...
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Dieses Stück bleibt ein Rätsel. Was passiert denn nun wirklich im einsamen Gutshaus Bly? Sprechen die Geschwister Flora und Miles mit Gespenstern, oder steigert sich ihre Gouvernante nur in Wahnvorstellungen hinein? Myfanwy Piper, die Librettistin von Benjamin Brittens «Turn of the Screw», hält es da mit Henry James, dem Autor der literarischen Vorlage: Der habe...
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