Liebe, nah am Tod

Romeo Castellucci fragt in Amsterdam nach dem Verhältnis von Sinnlichkeit und Grausamkeit. Im Pasticcio erklingen Werke der Renaissance, berührend dargeboten von Raphaël Pichon und dem Ensemble «Pygmalion»

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Erfindungsreich ist der Mensch, wo es darum geht, anderen Menschen Schmerz zuzufügen. Unüberschaubar ist das Arsenal der dazu ersonnenen Instrumente. Einige davon, oder zumindest deren kreative Ableitungen, platziert Romeo Castellucci im strengen White Cube-Rahmen seines Amsterdamer Pasticcios. Ein Balken, um nackt rittlings darauf Stromstöße zu empfangen, ein Streckbett, um auseinandergezogen und ein Joch, um daran hochgehievt zu werden; Waterboarding, die Simulation von Ertrinken.

Die Ausführenden der Quälereien, auch sie in neutralem Weiß, bleiben völlig unberührt vom Leiden der anderen. Sie sind weder böse noch sadistisch, und der Regisseur legt erkennbar Wert auf die umständlich genaue Bedienung der Werkzeuge. Noch wenn am Ende das Paar sich in zwei nebeneinander parkenden Autos gegenseitig mit Abgasen vergiftet, sorgen Suizidassistenten für einen ordnungsgemäßen «Weg» der Schläuche ins Innere. Sorgfältig werden sie mit Klebebändern gesichert. So sterben die Liebenden, nicht ungetrennt, nebeneinander auf dem Parkplatz, während das Finale aus de Cavalieris «La Pellegrina» ein nuovo miracolo feiert, mit aller nur denkbaren Klangpracht der Spätrenaissance.

«DOVE SEI?», mit der ...

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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Holger Noltze

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