Liebe in Zeiten des Phlegmas
Das Bild ist ein bekanntes, nicht nur, weil Edward Hopper es in verschiedenen Varianten gemalt hat. Einsam dort ein Mann, nächtens, in irgendeiner Bar irgendwo, den Kopf schwermütig auf den blankgewienerten Tresen gelehnt, niemand mehr ist da außer ihm und dem Wirt. Ein Gestrandeter, am Leben Verzweifelter, ein Mann, der die Welt nicht mehr versteht. Doch da ist ein feiner Unterschied. Denn dieser Mann hat eine Stimme: eine mächtige Stimme. Vielleicht die schönste Stimme, die jemals sich in diese Demimonde-Atmosphäre (Bühne: Anne Neuser) verirrte.
Orpheus heißt ihr Inhaber, jener mystischer Sänger, der alles und alle zu bezwingen vermochte.
In der Inszenierung des belgischen Regisseurs Ingo Kerkhof, die, nachdem sie in der vergangenen Saison in Linz auf die Bretter gelangte, nun renoviert an der Staatsoper Hannover präsentiert wird, hat sich der Künstler, der er auch hier noch ist in der fesselnden Darstellung des Baritons Lauri Vasar, gleichwohl ohne seine legendenumwobene Lyra ins Halbdunkel der Normalität verirrt. Und nicht der Fährmann der Unterwelt, Caronte, steht ihm, nachdem die Feiergemeinde zu Bett gegangen, gegenüber (und fällt seinen Lyrismen schließlich gerührt zum ...
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Elf Jahre hat Intendant Jean-Louis Grinda erfolgreich am Ruf der Oper Lüttich als gediegenes, musikalische Akzente setzendes Haus gearbeitet. Nun wechselt er nach Monte Carlo. Szenisch gilt die «Opéra Royal de Wallonie» als wenig innovativ – Reiseunternehmen im Umkreis werben bisweilen offen damit, dass man in Lüttich Oper noch «wie früher» erleben könne.
In der...
Der Skandal ist auch nicht mehr, was er einmal war. Als der in Ehren ergraute österreichische Bürgerschreck Hermann Nitsch – in Zusammenarbeit mit dem jungen Schweizer Schauspieler und Regisseur Andreas Zimmermann – im Zürcher Opernhaus Schumanns «Faust-Szenen» auf die Bühne brachte, mochte er nicht auf das Markenzeichen seines «Orgien Mysterien Theaters», die...
Aha, denkt der MTV-versierte Zuseher sich zu Beginn: «Alles im Arsch». An den Videoclip zu diesem Song von Jan Delay und Udo Lindenberg erinnert, was sich da beim «Trovatore» auf der neuen Bühne des Slowakischen Nationaltheaters tut: Mafiosi konspirieren in einer Tiefgarage, und ihr Anführer (Schlapphut, Sonnenbrille, lange Haare) scheint Udo, dem Paten aller...
