Liebe in Zeiten des Phlegmas
Das Bild ist ein bekanntes, nicht nur, weil Edward Hopper es in verschiedenen Varianten gemalt hat. Einsam dort ein Mann, nächtens, in irgendeiner Bar irgendwo, den Kopf schwermütig auf den blankgewienerten Tresen gelehnt, niemand mehr ist da außer ihm und dem Wirt. Ein Gestrandeter, am Leben Verzweifelter, ein Mann, der die Welt nicht mehr versteht. Doch da ist ein feiner Unterschied. Denn dieser Mann hat eine Stimme: eine mächtige Stimme. Vielleicht die schönste Stimme, die jemals sich in diese Demimonde-Atmosphäre (Bühne: Anne Neuser) verirrte.
Orpheus heißt ihr Inhaber, jener mystischer Sänger, der alles und alle zu bezwingen vermochte.
In der Inszenierung des belgischen Regisseurs Ingo Kerkhof, die, nachdem sie in der vergangenen Saison in Linz auf die Bretter gelangte, nun renoviert an der Staatsoper Hannover präsentiert wird, hat sich der Künstler, der er auch hier noch ist in der fesselnden Darstellung des Baritons Lauri Vasar, gleichwohl ohne seine legendenumwobene Lyra ins Halbdunkel der Normalität verirrt. Und nicht der Fährmann der Unterwelt, Caronte, steht ihm, nachdem die Feiergemeinde zu Bett gegangen, gegenüber (und fällt seinen Lyrismen schließlich gerührt zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auf unserer Rückfahrt grinst Ron zum ersten Mal. Er zieht die Lippen von seinen blitzend weißen Zähnen, und sein schwarzes Gesicht beginnt zu leuchten. Ja, Sam sei ein alter Freund von ihm. Sam Barber. Mit dem habe er schon auf der Veranda gesessen. Was, sogar in Europa sei der bekannt? Ein lieber Mensch. Salzburg? Vanessa? «Never heard of it.» Ron fährt Taxi in...
«Oper» buchstabierte man in den siebziger Jahren in den USA mit «Beverly Sills» – die Sopranistin war in den Staaten der Inbegriff dieser Kunstform, weit noch vor Luciano Pavarotti oder Plácido Domingo.
Geboren am 25. Mai 1929 als Belle Miriam Silverman im New Yorker Stadtteil Brooklyn begann die Dreijährige eine Wunderkind-Karriere in den beliebten...
Nach der Maxime Senecas, dass «wahre Freude eine ernste Sache» ist, hat Ulrich Schreiber gelebt und gearbeitet. Er war nicht ganz unschuldig daran, dass ich mein Berufsleben bei der Kölner Electrola begann. Dort habe ich ihn als Theater- und vor allem als Schallplatten-Kritiker der «HiFi-Stereophonie» erlebt, von dem nichts weniger zu erwarten war als...
