Liebe in Dur und Moll
Glanz der Barockoper! «L’Ercole amante» von Antonia Bembo (um 1640 bis um 1720) wurde 1707 komponiert, aber erst 2023 konzertant, dann 2025 in San Francisco szenisch uraufgeführt. Erklärt sich dieser Verzug dadurch, dass die Autorin dem sogenannten schwachen Geschlecht angehörte, dessen Vertreterinnen im 18.
Jahrhundert noch mehr als heute in der Komponisten-Zunft untervertreten waren? Oder dadurch, dass eine Schöpfung wie «Der verliebte Herkules» zum Zeitpunkt ihrer Entstehung sowohl altmodisch als auch avantgardistisch anmuten musste?
Unzeitgemäß ist an dem in Paris entstandenen Werk die italienische Sprache, hatte sich in Frankreich für Libretti doch schon seit den 1650er-Jahren die Verwendung der Landessprache durchgesetzt. Zudem war das betreffende Textbuch bereits vertont worden: durch Bembos Lehrer Francesco Cavalli, anlässlich der Vermählung von Ludwig XIV. mit Maria Teresa von Spanien 1662. Was Antonia Bembo zu diesem Remake bewogen hat, wissen wir nicht. Unbeantwortet sind auch die Fragen, ob es sich bei «Ercole amante» um eine Auftragskomposition handelte und ob das Stück überhaupt zur Aufführung bestimmt war.
Zukunftweisend wirkt an der Partitur die aparte Vermischung ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Marc Zitzmann
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