Licht und Schatten
Das deutsche Wort «Sehnsucht» sei in andere Sprachen kaum übersetzbar, schreibt die kanadische Sängerin und Dirigentin Barbara Hannigan in ihrem Vorspann zur gleichnamigen CD mit Werken von Berg und Mahler. Sie erklärt es ihrem internationalen Publikum als «ein Verlangen nach etwas, das nicht sein kann», als «einen Verlust, der nur ein endloses Sehnen hinterlässt».
Dass vielleicht nicht die Sprache, aber die Musik sehr wohl diese besondere Legierung schwärmerischer Schwermut kennt, demonstriert das gleichzeitig erschienene erste Soloalbum «Licht in der Nacht» der jungen Mezzosopranistin Coline Dutilleul, das deutsche und französische Lieder der Jahrhundertwende – Kompositionen von Berg, Schönberg und Alma Mahler, Debussy, Ravel sowie Lili und Nadia Boulanger – zu einem reizvollen Bouquet zusammenbindet.
Diesseits wie jenseits des Rheins ähneln sich die Wurzeln der musikalischen Moderne – der Einfluss Wagners wie des impressionistischen Farbenspiels und einer subtilen, zerbrechlichen Nervenkunst, die zwischen dekadent-morbider Erotik und intellektueller Kopfstimmigkeit oszilliert. Der Geist von «Tristan und Isolde» spukt gleichermaßen bei Berg wie Lili Boulanger, die das ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 21
von Uwe Schweikert
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Sangs» hat die französische Altistin Sarah Laulan ihr in enger Zusammenarbeit mit der Pianistin Élodie Vignon entstandenes Recital benannt und spielt mit dieser grammatikalisch inexistenten Mehrzahl des französischen Worts für «Blut» auf das Pulsieren und Strömen des menschlichen Lebens an. Im übertragenen Sinn meint es die Blutauffrischung, die die Komponisten...
