Licht im Darkroom
Gutfinden ist für Kritiker ein schwieriges Geschäft. Wer es wagt, eine Produktion zu loben, die sonst als geistlos abgewatscht wird, muss davon ausgehen, anschließend von Kollegen darum gebeten zu werden, ihnen das doch bitteschön mal persönlich zu begründen. Auch der neue «Don Giovanni» an der Deutschen Oper Berlin, von vielen Kritikern verrissen, evoziert in dem, der die Inszenierung zu schätzen weiß, eine leichte Vision von Klassenkeile.
Es hilft aber nichts: Von den drei Arbeiten Roland Schwabs an der Deutschen Oper ist dieser «Don Giovanni» (nach «Mozart-Fragmente» und «Tiefland») die geschlossenste und beste.
Als letztes Manifest des Antifeminismus, als männliche Projektion von Allmacht, Sexsucht und Frauenverschleiß präsentiert sich hier Mozarts Dramma giocoso. Dieser Don Giovanni will nur das eine. Mit einem Heer golfender Fans hinter sich, die jede seiner Bewegungen kopieren, ist dieses finstere Idol Wunsch- und Zerrbild scheinaufgeklärter Männlichkeit. Das Fest zum Lobe der Freiheit weist ihm den Weg zur Hölle. Das Abendessen mit dem untoten Komtur wird als lebendes Bild von Leonardos «Letztem Abendmal» als jenes Sakrileg entlarvt, das es ist. Dazwischen verweist der ...
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