Vom Scheinsieg der Kunst
Geschäftig wuseln die Streicher des RSO Wien, von Dirigent Bertrand de Billy energisch angetrieben, in den ersten Takten von «Ariadne auf Naxos». Beflissen eilt diese Musik voraus, möchte den Hörer führen wie der diensteifrige Einheimische den ortsunkundigen Fremden.
Doch wohin? Zunächst in einen «tiefen, kaum möblierten und dürftig erleuchteten Raum im Hause eines großen Herrn». So Hugo von Hofmannsthals Szenenanweisung.
Hans Schavernochs Bühnenbild für Harry Kupfers Inszenierung im Theater an der Wien führt uns freilich in einen heutigen Flugzeughangar (mit auffälliger Ähnlichkeit zum bei den Schickimickis renommierten Kunst-Hangar eines in Salzburg beheimateten Powergetränk-Tycoons). Dort wird gerade eine verrückte Rokoko-Fête vorbereitet, bei der zwei völlig unterschiedliche Piècen, die heroische Oper «Ariadne auf Naxos» und die Tanzmaskerade «Die ungetreue Zerbinetta und ihre vier Liebhaber», simultan aufgeführt werden sollen. Das nervt im Stück zwar den Komponisten der Ersteren (die intensive Heidi Brunner), doch soll es im erwähnten Salzburger Hangar durchaus schon Ähnliches gegeben haben.
Auf die Allianz – und nicht selten Mesalliance – von Geld und Kunst hebt Kupfers ...
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... und wenn sie nicht gestorben sind. Das ist das lieto fine vieler Märchen. Am Ende des neuen «Ring» an der Hamburgischen Staatsoper ist Siegfried nicht gestorben. Nach dem Weltbrand steht er mit rücklings blutbeflecktem Hemd am Fenster und blickt versonnen – wohin? Er rührt sich nicht, wenn ihm Brünnhilde, die sich zuvor mit seinem Schwert die Pulsadern geöffnet...
Max Schreck hieß sinnigerweise der Schauspieler, der in Murnaus «Nosferatu» von 1922 die nämliche Schauergestalt spielte. 88 Jahre später begegnen wir seinem Klon auf der Bühne der Wiener Staatsoper – in Sven-Eric Bechtolfs Neuinszenierung von Paul Hindemiths Art-and-Crime-Oper «Cardillac», der ersten Premiere unter Direktor Dominique Meyer. Die Nosferatu-Gestalt...
Wenn das nicht opernträchtig ist! Ein Komponist, ein Hocharistokrat dazu, erwischt die Frau Gemahlin mit ihrem Liebhaber und befördert beide ins Jenseits. Alfred Schnittke machte denn auch eine Oper daraus, Franz Hummel eine andere, ganz besonders filigran und nuancenreich Salvatore Sciarrino – und nun Marc-André Dalbavie. Klar, der meuchelnde Musiker ist Carlo...
