In Schieflage
«Verantwortungslose Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt», ist nach Karl Kraus das Wesen der Operette. Was der österreichische Satiriker treffend formuliert, hat der Filmregisseur Philipp Stölzl – sein «Goethe!»-Biopic läuft gerade in den Kinos – beim Wort genommen und mit viel Aufwand in seiner Inszenierung der «Fledermaus» auf der Bühne der Staatsoper Stuttgart nachgestellt.
Stölzl stellt den karnevalesken Rausch aus Frenesie und Verbrüderung, den der Wiener Walzerkönig entfesselt, in einen ebenso überraschenden wie originellen Rahmen: Noch bevor die Musik einsetzt, sehen wir Prinz Orlofsky zwischen den Bäumen seines Lustgartens. Der blasierte junge Lebemann, glänzend verkörpert von Helene Schneiderman im glitzernden Tutu, kann nicht mehr lachen. In Erwartung der frivolen Ballnacht lässt er als Dompteur mit der Reitpeitsche die Puppen tanzen – und verspricht mehr, als Stölzl halten kann.
Der Garten bleibt stehen und gibt beim Aufgehen des Vorhangs einen Kubus frei – einen aufs Puppenstubenformat gestutzten gründerzeitlichen Salon in dezentesten Weiß- und Grautönen. Das Puppenstubenzimmer schwebt von Beginn an in leichter Schieflage, ...
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