Vom ersten Schrei bis zum letzten Ton
Wer vieles bringt», sagt der Theaterdirektor in Goethes «Faust»-Vorspiel, «wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden aus dem Haus. Gebt ihr ein Stück, so gebt es gleich in Stücken. Solch ein Ragout, es muss euch glücken.» Das Stück heißt «Die Stimme», und es verspricht viel, zielt im Grunde auf alles, was die vox humana betrifft: «Grundlagen – Künstlerische Praxis – Gesunderhaltung». Vorgelegt hat es Bernhard Richter, Leiter des Instituts für Musikermedizin an der Hochschule für Musik Freiburg.
Munden soll das «Ragout» (um in der Sprache des Theaterdirektors zu bleiben) allen, die sich mit der menschlichen Stimme beschäftigen: Phoniatern und Pädaudiologen, Gesangslehrern und Sprecherziehern, Sängern, Kritikern und Melomanen.
Nach einem Presto-Galopp durch die Stimmhistorie geht es in zehn Kapiteln um physiologische Grundlagen, Methoden zur Darstellung, Analyse und Beurteilung von Stimmen, um Stimmakustik, Stimmarten, -gattungen und -fächer, um Stimmregister, um Stimmphysiologie in der Ausbildung von Sängern und Schauspielern, um psychologische Aspekte der Ausbildung, Dysodie (Stimmstörungen), die Lebenskurve der Stimme sowie ihre Pflege und Hygiene. Das Buch behandelt ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Jürgen Kesting
Es beginnt ohne Orchester mit einem faszinierenden Klangsymbol. Eine knabenhaft helle, gleißende Sopranlinie fährt wie ein Lichtbogen durch den dunklen Raum. Auffällig an dem ansonsten schlichten Melisma das Tritonus-Intervall, als traditioneller diabolus in musica hier Vorbote von Verhängnis. Tatsächlich erscheint das periodisch im Stück wiederkehrende...
Sie sind jung. Sie sind preiswert. Sie sind mutig. Sagen immer dankbar ja. Auch zu Rollen, für die es eigentlich viel zu früh ist. Junge Sänger wissen: Sagen sie nein, warten hundert andere – und sie selbst fliegen vielleicht vom Karussell. Auf Nimmerwiedersehen. Jugendwahn, Zynismus, Wegwerfmentalität gehören im Umgang mit Sängern leider immer häufiger zum Alltag....
Niemals in der Musikgeschichte hatten Triangel-Spieler so viel zu tun wie in der französischen Oper des 19. Jahrhunderts. In den Ouvertüren zu Daniel-François-Esprit Aubers «La Muette de Portici» wie auch zu Georges Bizets «Le Docteur Miracle» ist der Spieler des zweifach gebogenen Metallstäbchens geradezu im Dauereinsatz. Darin erschöpfen sich allerdings auch...
