Leicht im schweren Fach
Ich lehne Partien ab, die viel Schreien verlangen.» Ein Credo. Renato Bruson sang sie dann trotzdem, aber eben auf seine Art. Er hat all die Schurken, Sonderlinge und zwielichtigen Kerle zu sich herangeholt und ihnen andere, manchmal neue Facetten eröffnet. Auf dem Zenit seiner Karriere bildete der Italiener den Gegenentwurf zum sieben Jahre älteren Landsmann Piero Cappuccilli. Man nehme dafür nur die in den 1970er- und 1980er-Jahren entstandenen Einspielungen: Entweder war Letzterer engagiert oder eben Renato Bruson.
1936 kam dieser in einem Dorf unweit von Padua zur Welt.
Hineingeboren wurde er in eine fast mittellose Bauernfamilie. Die Eltern starben früh, Singen als Beruf stand nicht zur Debatte. «Man hat mich nicht besonders unterstützt», sagte Bruson einmal. «Es gab Widerstände von allen möglichen Seiten, besonders von meinen Verwandten. Damals war es auf dem Land so, dass man in jemandem, der Musik zu seinem Beruf machte, einen sah, der nicht arbeiten wollte.» Wie so viele rutschte Bruson über das Hobby in die künstlerische Laufbahn. Studieren konnte er nur dank eines Stipendiums. 1960 gewann er in Spoleto einen Wettbewerb und debütierte dort ein Jahr später als Luna in ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Markus Thiel
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