Lehár: Die lustige Witwe
«Ganz Köln geriet in einen wahren Taumel», schwärmte die Kölnische Rundschau vor fünfzig Jahren über die Operettenkultur des legendären Metropol-Theaters. «Die lustige Witwe» zum Beispiel sei dort in den besten Zeiten en suite 380-mal über die Bühne gegangen. Tempi passati. Wenn sich die heimische Oper letzthin ans so schwere Leichte wagte, hatte die rheinische Frohnatur wenig Grund zur Freude.
Und das soll vorerst offenbar so bleiben: Nachdem das Haus in der vergangenen Spielzeit unter Mitwirkung zahlreicher Promis Offenbachs «Orphée aux Enfers» als kalauernde Jecken-Parade zugrunde richtete, muss jetzt Lehárs Erfolgsstück dran glauben.
Die Regisseurin Jasmin Solfaghari, ehemalige Oberspielleiterin der Deutschen Oper Berlin und frisch an die Leipziger Musikhochschule berufene Professorin, stutzt die bissig-turbulente Farce aus der Endzeit der k. u. k. Monarchie auf biederstes Boulevardniveau. Dass hier ein bankrotter Staat und eine zur dea ex machina verklärte Retterin, die Millionenerbin Hanna Glawari, nicht zufällig das Aktionsfeld dominieren – geschenkt. Kein einziger Versuch, die langen Schatten wahr und ernst zu nehmen, die über der Partylaune im Hause des pontevedrinischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Ein großer Schauspieler gewinnt gerade dank der Schminke, der Perücke oder der künstlichen Nase sein eigenes Gesicht», meinte Stanislaw Jerzy Lec. Das ist das eine. Das andere ist das private Gefühl, das einen Interpreten plötzlich überrascht. Vesselina Kasarova passierte dies zum Beispiel bei einer Vorstellung von Bellinis «I Capuleti e i Montecchi» in Paris,...
In seiner fünfunddreißigsten Auflage enthielt der Bundeswettbewerb Gesang Berlin eine nicht unwesentliche Neuerung. Nach bundesweiten Vorausscheidungen und dem Hauptwettbewerb in Berlin wurden die Preisträger erst im Finalkonzert in der Komischen Oper ausgelobt, das von dem ehemaligen Wagner-Tenor Siegfried Jerusalem moderiert wurde. Für das Publikum des Konzerts...
Emmanuel Chabrier (1841-1894) ist dem Musikfreund durch die mitreißende Orchestervignette «España» und die leidlich lustige «Tristan»-Quadrille geläufig. Seine drei Jahre vor Offenbachs Tod in dessen Bouffes Parisiens uraufgeführte Opéra-bouffe «L’Étoile» (Der Stern) blieb ewiger Geheimtipp: weit über Offenbach gestellt von Debussy, 1941 ausgegraben von Desormière...
