Lehár tickt anders

Claus Guth und Joana Mallwitz bescheren der Oper Frankfurt eine meisterhaft hintersinnige Neuerzählung der «Lustigen Witwe»

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Seiner berühmten und extremen Frankfurter «Rosenkavalier»-Inszenierung (2016) hängte Claus Guth die Bleigewichte mannigfacher Vergänglichkeits- und Todeszeichen an. Wie würde er nun mit Franz Lehárs «Lustiger Witwe» umgehen? Zu vermuten war, dass es überhaupt nicht lustig würde, sondern womöglich noch viel düsterer. Die 1905 uraufgeführte Operette gilt ja nicht unbedingt als repräsentativ für eine Epoche praller Daseinsfreude; eher attestiert man ihrem tänzerischen Vulkanismus den Vorschein welthistorischer Katastrophennähe.

Guths Neuinterpretation bedeutet in manchem eine Überraschung. Die Aufführung oszilliert in virtuosen dialektischen Spiegelungen und Brechungen, zeigt sich leichtgewichtig und schwer, nimmt die Operette ernst und unernst zugleich, arbeitet zielsicher mit dem ständigen Umschlagen von Schein in (vermeintliche) Wirklichkeit, offenbart die intelligente Bodenlosigkeit einer trügerisch-stämmigen Amüsierdramaturgie. Eines tut sie beileibe nicht: das Werk als poliertes Schaustück eindimensionalen Ausstattungs-, Tanz- und Sangesprunks hinstellen. Weit weg also von Jerome Savary und Broadway. Und versehen mit einer unmissverständlichen leitmotivischen Metapher – dem an ...

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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Hans-Klaus Jungheinrich

Vergriffen
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