Lauter Uraufführungen
Herr Jöris, Ihre Inszenierung der «Winterreise» arbeitet mit zwei Stimmen (Bariton/Mezzo) und zwei Darstellern. Wie kam es zu dieser Dramaturgie und welche Ziele verfolgten Sie damit?
Es war mir freigestellt, welche Stimmfächer und wie viele Sänger bzw. Statisten ich einsetzen wollte. Je mehr ich mich mit dem Stück beschäftigte, desto mehr entwickelte sich die Konzeption: die innere Reise eines Lebenswanderers auf seinem einsamen Weg ans Lebensende.
Wobei ich versuchte, die Lieder als lebensbejahende (besetzt als Hosenrolle durch einen Mezzo) und lebensverneinende (Bariton) zu differenzieren. Der Mezzo übernahm dabei die Rolle eines Alter Ego. Dieses Prinzip zeigt sich auch in der Spielfläche, die durch ein zugefrorenes Rinnsal unterteilt ist. Die konkurrierenden Wesenszüge ein und derselben Person finden nur in bestimmten Situationen, sprich Liedern zueinander: als Erinnerung oder als Aufrütteln des Wanderers, der sich in einem Strudel der Depression und Todessehnsucht befindet. Sicher haben beim Entwickeln der Konzeption Typ und Timbre der beiden Protagonisten eine Rolle gespielt.
Welche Rolle kann eine darstellerische Beschäftigung mit Liedern im Rahmen einer ...
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