Lauter Uraufführungen

Fragen an Regisseur Stephan Jöris

Herr Jöris, Ihre Inszenierung der «Winterreise» arbeitet mit zwei Stimmen (Bariton/Mezzo) und zwei Darstellern. Wie kam es zu dieser Dramaturgie und welche Ziele verfolgten Sie damit?
Es war mir freigestellt, welche Stimmfächer und wie viele Sänger bzw. Statis­ten ich einsetzen wollte. Je mehr ich mich mit dem Stück beschäftigte, desto mehr entwickelte sich die Konzeption: die innere Reise eines Lebenswanderers auf seinem einsamen Weg ans Lebensende.

Wobei ich versuchte, die Lieder als lebensbejahende (besetzt als Hosenrolle durch einen Mezzo) und lebensverneinende (Bariton) zu differenzieren. Der Mezzo übernahm dabei die Rolle ­eines Alter Ego. Dieses Prinzip zeigt sich auch in der Spielfläche, die durch ein zugefrorenes Rinnsal unterteilt ist. Die konkurrierenden Wesenszüge ein und derselben Person finden nur in bestimmten Situationen, sprich Liedern zueinander: als Erinnerung oder als Aufrütteln des Wanderers, der sich in einem Strudel der Depression und Todessehnsucht befindet. Sicher haben beim Entwickeln der Konzep­tion Typ und Timbre der beiden Protagonisten eine Rolle gespielt.

Welche Rolle kann eine darstellerische Beschäftigung mit Lieder­n im Rahmen einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Thema: Szenische Liederabende, Seite 35
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Liebesexperiment

«Rinaldo» gehört zu jenen Händel-Opern, die in den letzten Jahren erstaunlich oft auf der Bühne erschienen und von Christopher Hogwood und René Jacobs gleich zweimal hochkarätig eingespielt worden sind. Der ungeschnittene und daher störgeräusch-­intensive Mitschnitt einer Aufführung der Göttinger Händel-Festspiele 2004 mit dem Concerto Köln unter Nicholas McGegan...

Ein Mord, den keiner versteht

Was noch nie sich traf, danach trachtet ihr Sinn: Anna Viebrock, bekannt als Ausstatterin Christoph Marthalers und Jossi Wielers, führt inzwischen selbst Regie und bringt Ungewöhnliches auf die Bühne. Wie Frank Castorf des herkömmlichen Repertoires überdrüssig, vertheaterte sie erst Robert Walsers Roman «Geschwis­ter Tanner», um nun mit einem Musik­theaterprojekt,...

Geschichten aus dem Wunderland

Eine veritable Rakete an Farben, Geschichten, Bewegung. Abgefeuert haben sie Regisseur und Bühnenbildner Nigel Lowery und der persische Choreograph Amir Hosseinpour. Gebaut hat sie, vor fast zweieinhalb Jahrhunderten Jean-Philippe Rameau. Nachdem Lowery vor Jahren nach einer provokativen «Hänsel und Gretel»-Inszenierung beinahe aus der Stadt gewiesen worden wäre,...