Die Diva als Appetizer
Die Frau ist zum Dahinschmelzen. Und für rund zwanzig Dollar zu haben. Umhüllt von dunkler Schokolade, mit gehackten Haselnüssen und Amarettokeksen in Clementinensauce. «La Diva Renée» gibt's im New Yorker Nobelrestaurant «Daniel» auf der 65. Straße. Das heißt: Es gab sie, damals, im Jahr 2000, als Renée Fleming in aller Munde war. Jetzt setzt Star-Koch Daniel Boulud die Kalorienbombe nur noch gelegentlich aufs Menü, schließlich nutzt sich der Reiz durch übermäßigen Genuss und ständige Verfügbarkeit ab.
Nur wenige Sängerinnen der Operngeschichte haben es geschafft, als Dessert verewigt zu werden. Wollte man Flemings Bedeutung allein daran bemessen, so zählte sie zusammen mit Nellie Melba («Pfirsich Melba») zu den Größten aller Zeiten.
Reden wir nicht von Bedeutung, reden wir lieber vom Marktwert. Der ist bei Renée Fleming ungebrochen, egal, ob als Süßspeise oder in Fleisch und Blut und singend. Ihr Name allein garantiert der Met, dass alle Vorstellungen von «Rodelinda» schon lange vor der Premiere ausverkauft waren – bei Preisen bis zu 315 Dollar pro Karte. Die Met braucht Fleming, nicht umgekehrt. Denn in dem Riesenhaus bleiben immer öfter die Reihen leer, selbst bei einer ...
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Man kann leicht über Franco Zeffirellis Wiener «Carmen»-Inszenierung spotten, über den Aufwand – Kulissen, 500 Mitwirkende und acht Pferde –, der umgekehrt proportional zur inhaltlichen Leere der szenischen Deutung steht. Doch eines muss man Zeffirelli lassen: Als Filmregisseur der Live-Übertragung hat er den Dirigenten, weit über das übliche Maß hinaus,...
Es ist eine tieftraurige und ungewöhnliche Geschichte, die uns die Pariser Komponistin Isabelle Aboulker und ihr Librettist Christian Eymery sowie eine Hundertschaft von acht- bis vierzehnjährigen Sängerinnen und Sängern erzählen, eine Geschichte aus der fernen Historie und doch in mancher Hinsicht erschreckend aktuell: Vor der Côte d’Azur, zwischen Cannes und...
«Festa teatrale» – die passende Gattung zu den Hochzeitsfeierlichkeiten des Erzherzogs Ferdinand von Österreich mit der Prinzessin Maria Beatrice Ricciarda von Modena, er siebzehn, sie einundzwanzig. Die Komposition stammte von einem ihrer Altersgenossen: Wolfgang Amadeus Mozart hatte fünfzehnjährig den Auftrag von der Kaiserin persönlich bekommen. Das Libretto,...
