Die Diva als Appetizer

Renée Fleming hat sich an der New Yorker Met Händels «Rodelinda» gewünscht. Der Triumph gehört jedoch den anderen Hauptdarstellern.

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Die Frau ist zum Dahinschmelzen. Und für rund zwanzig Dollar zu haben. Umhüllt von dunkler Schokolade, mit gehackten Haselnüssen und Amaretto­keksen in Clementinensauce. «La Diva Renée» gibt's im New Yorker Nobel­restaurant «Daniel» auf der 65. Straße. Das heißt: Es gab sie, damals, im Jahr 2000, als Renée Fleming in aller Munde war. Jetzt setzt Star-Koch Daniel Boulud die Kalorienbombe nur noch gelegentlich aufs Menü, schließlich nutzt sich der Reiz durch übermäßigen Genuss und ständige Verfügbarkeit ab.

Nur wenige Sängerinnen der Operngeschichte haben es geschafft, als Dessert verewigt zu werden. Wollte man Flemings Bedeutung ­allein daran bemessen, so zählte sie zusammen mit Nellie Melba («Pfirsich Melba») zu den Größten aller Zeiten.
Reden wir nicht von Bedeutung, reden wir lieber vom Marktwert. Der ist bei Renée Fleming ungebrochen, egal, ob als Süßspeise oder in Fleisch und Blut und singend. Ihr Name allein garantiert der Met, dass alle Vorstellungen von «Rodelinda» schon lange vor der Premiere ausverkauft waren – bei Preisen bis zu 315 Dollar pro Karte. Die Met braucht Fleming, nicht umgekehrt. Denn in dem Riesenhaus bleiben immer öfter die Reihen leer, selbst bei einer ...

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Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jochen Breiholz

Vergriffen
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