Lauter Übergänge
Am Ende bricht Boris im Parlament zusammen. Nikolai Putilin, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Boris Jelzin aufweist, hatte an diesem Abend nach schwachem Beginn dem Zaren doch noch klares Profil geben können. Besonders in der Wahnsinnsszene des letzten Bildes, als Godunow von Schujskij – strahlkräftig, aber zu unkontrolliert: Yevgeny Akimov – abermals mit der dunklen Vergangenheit konfrontiert wird. Da mobilisiert Putilin alle Facetten seines farbsatten Bassbaritons – und dieser Boris ist uns plötzlich ganz nahe.
Sein Schmerz über den Mord am Zarewitsch Dimitri, den er selbst angeordnet hatte, frisst sich nach innen. Auch Valery Gergiev verzichtet mit dem Orchester des Mariinsky-Theaters St. Petersburg auf Effekte, demonstrativ geschärfte Kontraste, hebt vielmehr den dunkel getönten Streicherklang hervor – und evoziert so die aufziehende Nacht um eine zerrissene Persönlichkeit. Als Boris tot ist, legt das Volk so viele Blumen-kränze auf dem Körper nieder, dass er nicht mehr zu sehen ist. Ob Fjodor, der schmächtige Sohn (mit heller Knabenstimme: Ivan Khudyakov), der völlig verstört am Rednerpult steht, dieses Russland weiterregieren wird, weiß niemand zu sagen.
Gergiev hat für die ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Georg Rudiger
Die Musikgeschichte steckt voller Überraschungen. Das liegt nicht nur daran, dass es weit mehr herausragende Kompositionen gibt, als sie noch das größte enzyklopädische Wissen erfassen kann: Vielmehr haben ganze Entwicklungen keinen Platz in den zwangsläufig vereinfachenden Ordnungen gefunden.
Saverio Mercadante, der aus Apulien stammende Generationsgenosse...
Bei Premierendaten Angabe der Namen in folgender Reihenfolge:
Musikalische Leitung, Inszenierung, Bühnenbild u. Kostüme - Solisten
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
Mat. = Matinee
N. = Nachmittagsvorstellung
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44, 0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
Bühne
• Bizet, Carmen: 16. (P), 22., 28., 30.9. (N.); 7., 11., 13., 19.10.
(Abdullah, Helle,...
Nichts weniger als den Übergang vom Spätbarock zur Frühklassik markiert dem italo-amerikanischen Musikwissenschaftler Elvidio Surian zufolge die Uraufführung von Johann Adolf Hasses Oper «Artaserse» 1730 in Venedigs Teatro San Giovanni Grisostomo: ein Meilenstein nicht nur in der Entwicklungsgeschichte der Oper als Genre, sondern auch Anfangspunkt der beispiellosen...
