Lauter Gelangweilte

Verdi: Falstaff
HAMBURG | STAATSOPER

Opernwelt - Logo

Fangen wir mit der Musik an. Ein Wunder an rhythmischer Energie ist Verdis letzte Oper, ein Drehkreisel, der ohne Unterlass durch die Welt hüpft, von einer Ecke zur nächsten, wie ein Perpetuum mobile, das zuweilen über die eigenen Beine zu stolpern droht. Für den Dirigenten und sein Orchester eine überaus heikle Angelegenheit. Wie heikel, war bei der «Falstaff»-Premiere an der Hamburgischen Staatsoper leidvoll zu erleben.

Axel Kober konnte noch so sehr mit den Armen rudern, das E-Dur-Quartett der Verschwörerinnen geriet schwer ins Straucheln, und es wurde auch keinen Deut besser, als sich dieses Stück zu einem Nonett mit männlicher Beteiligung auswuchs. Man möchte es nicht so nennen. Aber es war ein Debakel.

Zwar hatte der GMD der Deutschen Oper am Rhein das Philharmonische Staatsorchester Hamburg – vermutlich nach einer geharnischten Gardinenpredigt in der Halbzeitpause – späterhin besser im Griff; erhellende Momente blieben im Graben aber eher selten, sieht man von den lyrischen Duett-Passagen ab, in denen das junge, vom auch vokal robusten Vater Ford (Markus Brück) torpedierte und wunderschön dagegen ansingende Paar Nannetta (Elbenita Kajtazi) und Fenton (Oleksiy Palchykov) ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Blutige Kolonialgeschichte

Warum Franz Schrekers letzte Oper eines Tages den Weg auf den Spielplan belgischer Bühnen finden musste, erklärt schon der Titel: «Der Schmied von Gent». Die Opera Vlaanderen hat das Werk jetzt an ihren Spielstätten in Antwerpen und Gent herausgebracht – mit einem drastischen Bezug auf ein dunkles Kapitel der Geschichte Belgiens. Freilich schwimmt die flämische...

Vexierbilder

Der Raum habe für sie etwas «Flirrendes, Zittriges», sagt Regisseurin Barbara Frey. Das ist zweifelsohne richtig. Doch da, wo einem in einem Vexierbild die Augen ineinander übergehen, kehrt gleichzeitig Starre ein. Insofern ist Bettina Meyers Bühnenbild für Mozarts «Le nozze di Figaro» am Theater Basel in jeder Hinsicht bemerkenswert: Mehrere sich ins Unendliche...

Endlosschleife

E. M. – hinter den mysteriösen Initialen verbirgt sich nicht nur der Name einer gefeierten Operndiva, sondern zugleich auch der Wirklichkeit gewordene Menschheitstraum von ewiger Jugend – freilich zum Preis eines halt- und ziellosen Lebens. Denn Emilia Marty, die Leoš Janáček in seiner vorletzten, 1926 uraufgeführten Oper «Věc Makropulos» («Die Sache Makropulos»)...