Lauter Gelangweilte
Fangen wir mit der Musik an. Ein Wunder an rhythmischer Energie ist Verdis letzte Oper, ein Drehkreisel, der ohne Unterlass durch die Welt hüpft, von einer Ecke zur nächsten, wie ein Perpetuum mobile, das zuweilen über die eigenen Beine zu stolpern droht. Für den Dirigenten und sein Orchester eine überaus heikle Angelegenheit. Wie heikel, war bei der «Falstaff»-Premiere an der Hamburgischen Staatsoper leidvoll zu erleben.
Axel Kober konnte noch so sehr mit den Armen rudern, das E-Dur-Quartett der Verschwörerinnen geriet schwer ins Straucheln, und es wurde auch keinen Deut besser, als sich dieses Stück zu einem Nonett mit männlicher Beteiligung auswuchs. Man möchte es nicht so nennen. Aber es war ein Debakel.
Zwar hatte der GMD der Deutschen Oper am Rhein das Philharmonische Staatsorchester Hamburg – vermutlich nach einer geharnischten Gardinenpredigt in der Halbzeitpause – späterhin besser im Griff; erhellende Momente blieben im Graben aber eher selten, sieht man von den lyrischen Duett-Passagen ab, in denen das junge, vom auch vokal robusten Vater Ford (Markus Brück) torpedierte und wunderschön dagegen ansingende Paar Nannetta (Elbenita Kajtazi) und Fenton (Oleksiy Palchykov) ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jürgen Otten
Die 1705 in Hamburg uraufgeführte «Almira» ist Händels einzige überlieferte deutschsprachige Oper, drei weitere sind verloren. Das stark dem Vorbild des vernachlässigten Reinhard Keiser verpflichtete Erstlingswerk des 19-Jährigen folgt ganz dem kosmopolitischen Stil der norddeutschen Barockoper. In bunter Folge reihen sich gereimte deutsche Rezitative und liedhaft...
Bis 2023 ist die Mozartwoche in Salzburg in der Hand des Multitalents Rolando Villazón. Der singt als Intendant nur noch auf offener Straße, zum Gaudium des «Fußvolks», mexikanische Ständchen an Mozarts Geburtstag, ist aber auch sonst allgegenwärtig: als Moderator und Gesprächsleiter, als Regisseur von sieben eigens beauftragten Dramoletten zu Mozart-Divertimenti,...
Der König und seine Entourage waren not amused. Hatte Philippe Quinault im Textbuch für «Isis», die sechste tragédie en musique des Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully, nicht – kaum verhüllt – das Liebesleben des «Roi Soleil» porträtiert? Wer mit den Usancen des französischen Regenten halbwegs vertraut war, erkannte sofort frappierende Parallelen zwischen Juno, der...
