L'Ultima Grandezza

Die Bühnenwerke Ottorino Respighis wurden von oft unsachlicher, nicht selten niederträchtiger Propaganda aus dem Repertoire gefegt. Doch allmählich kommt die Boykottbewegung zum Stillstand. Eine Würdigung und Werkschau

Opernwelt - Logo

Er war weder Impressionist noch Faschist. Aber das half ihm wenig. Beide Vorurteile sind journalistisch längst in Stein gemeißelt, selbst in Italien, dessen größter Komponist er im 20. Jahrhundert gewesen ist. Kein Landsmann schuf vor oder nach Respighi auch nur ansatzweise vergleichbare Instrumentalmusik, was fatalerweise den Blick auf sein Lebenswerk total verengte. Denn auch sein vokales Œuvre ist so gewichtig wie publikumswirksam; im damaligen Italien war ihm nur der begnadete Melodiker Puccini überlegen, der außerdem von besseren Libretti profitierte.

Fast jeder Text über Respighi beginnt mit Mussolini – dieser hier auch. Zwischen dem Tondichter und Diktator bestand eine persönliche Beziehung, keine politische. Eine langjährige Geliebte Mussolinis gehörte zum Freundeskreis Respighis; als das amouröse Verhältnis endete, endete auch der Kontakt zwischen den beiden ungleichen Männern. Respighi empfand keinerlei Sympathien für die Schwarzhemden, er unterschrieb 1925 nicht das «Manifest faschistischer Intellektueller», trat nicht – anders als Giordano und Mascagni – in die PNF ein und hat – anders als Casella, Pizzetti und Malipiero – dem «Duce» nie ein Werk gewidmet. Er war ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2020
Rubrik: Essay, Seite 44
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Was kommt... August 2020

Roderick Williams
Sein Bühnendebüt gab er noch während des Studiums in einer düsteren Rolle – als Tarquinius in «The Rape of Lucretia». Bis heute bilden die Werke Brittens einen Schwerpunkt in seinem Repertoire. Aber auch als Liedsänger ist der englische Bariton mit walisisch-jamaikanischen Wurzeln überaus gefragt. Zeit für ein Gespräch

Helga Rabl-Stadler, Markus...

Der Traum des Theaters

Es ist verrückt, absurd, abgefahren. Aber in den letzten Tagen, Wochen, Monaten habe ich nicht nur einmal von Shylock geträumt. Von diesem eigenwilligen, selbstsüchtigen Mann, der zu Beginn von Shakespeares «Kaufmann von Venedig» wie ein (kapitalistischer) Triumphator auf dem Rialto erscheint und am Ende des Stücks, das nur äußerlich vorgibt, eine «Komödie» zu...

Alleskönner

Von Rameau über Mozart und Debussy bis zu Philippe Boesmans und George Benjamin – der französische Bariton Stéphane Degout ist auf der Opernbühne ein Alleskönner. Er beeindruckt, wie seine jüngsten Aufnahmen von Berlioz’ «Les Nuits d’été» oder von Debussy-Liedern demonstrieren, aber auch als überragender Liedersänger. Jetzt überrascht er mit Balladen der deutschen...