L'Ultima Grandezza
Er war weder Impressionist noch Faschist. Aber das half ihm wenig. Beide Vorurteile sind journalistisch längst in Stein gemeißelt, selbst in Italien, dessen größter Komponist er im 20. Jahrhundert gewesen ist. Kein Landsmann schuf vor oder nach Respighi auch nur ansatzweise vergleichbare Instrumentalmusik, was fatalerweise den Blick auf sein Lebenswerk total verengte. Denn auch sein vokales Œuvre ist so gewichtig wie publikumswirksam; im damaligen Italien war ihm nur der begnadete Melodiker Puccini überlegen, der außerdem von besseren Libretti profitierte.
Fast jeder Text über Respighi beginnt mit Mussolini – dieser hier auch. Zwischen dem Tondichter und Diktator bestand eine persönliche Beziehung, keine politische. Eine langjährige Geliebte Mussolinis gehörte zum Freundeskreis Respighis; als das amouröse Verhältnis endete, endete auch der Kontakt zwischen den beiden ungleichen Männern. Respighi empfand keinerlei Sympathien für die Schwarzhemden, er unterschrieb 1925 nicht das «Manifest faschistischer Intellektueller», trat nicht – anders als Giordano und Mascagni – in die PNF ein und hat – anders als Casella, Pizzetti und Malipiero – dem «Duce» nie ein Werk gewidmet. Er war ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Essay, Seite 44
von Volker Tarnow
Ungewohntes Bild: Quer durch den Zuschauerraum erstreckt sich eine ausgedehnte Sitzmöbellandschaft. Sämtliche Stuhlreihen sind abgebaut, die Besucher dürfen es sich auf ausrangierten Stoffsofas, Ledercouches und kissenbestückten Gartenbänken bequem machen. Um den vorgeschriebenen Mindestabstand zu garantieren, wurde die Zahl der Plätze im Kleinen Haus des...
Draußen zwitschern die Vögel, drinnen ertastet einsam ein Klang das Terrain. Schwebt samten umher, umgarnt das Ohr, verdichtet sich zu märchenhaft-mystischem Gebilde, nimmt zarte, aber konsistente Gestalt an: magischer Lichtstrahl aus einzelnen Tönen, transzendiert zu luftigem Idyll. Hört man das Lied «Sunrise» von Charles Ives bei geöffnetem Fenster, dann wird die...
Das Ensemble steht unter dem Holstentor der Hansestadt und stimmt Don Giovannis Credo an: «Viva la libertà.».Doch das Quintett muss sich schützende Schals um die Sängermünder binden, aus denen Mozarts Motto nun nur noch wattig hervordringt. Die Performance-Premiere «Alive» zum Abschluss der Saison nach exakt dreimonatiger Pandemiepause findet in zwei Varianten...
