Kurioses Fundstück

Richard Wagner als Bearbeiter von Donizettis «La Favorite»

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Viel fehlte nicht, und das vermutlich merkwürdigste Relikt aus Wagners tristester ­Lebensphase wäre im Orkus der Musikgeschichte verschwunden: Nur ein einziges gedrucktes Exemplar seiner 1840/41 entstandenen Bearbeitung von Donizettis «La Favorite» für zwei Violinen hatte sich im Nachlass des französischen Pianisten und glühenden Wagnerianers Alfred Cortot erhalten und schmorte dort ein paar Jahrzehnte unbeachtet vor sich hin, bis es vor einigen Jahren vom Dirigenten Hartmut Haenchen entdeckt wurde.

Die Ersteinspielung durch Matthias Wollong und Jörg Fassmann liefert jetzt sozusagen den Soundtrack zu Wagners Pariser Jahren – ohne allerdings echter Wagner zu sein. Denn die achtzehn Nummern verraten lediglich die eiserne Disziplin des Arrangeurs, der einem anderen Komponis­ten so gut gerecht werden will wie möglich. Das gelingt naturgemäß vor allem in den Bearbeitungen der Arien und Duette, in denen sich die musikalische Substanz der gro­ßen Oper ohne größere Verluste auf die Zweistimmigkeit der beiden Streicher reduzieren lässt: Dort, wo eine Melodie ohnehin nur durch knappe Pizzicati begleitet wird oder statt zweier Kehlen zwei Geigen im Unisono schmachten. Die ausschwingende, ...

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Opernwelt Juni 2005
Rubrik: platten, Seite 53
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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