Sprachmusik
Samuel Becketts späten Texten kommt man vielleicht am nächsten, wenn man sie als absolute Musik versteht. Die Sprache und ihre Elemente – Laute, Silben, Wörter – sind hier so kombiniert, dass der performative Akt der Rezitation, dass Rhythmus, Melodie und Artikulation zum eigentlichen Medium der Sinnstiftung werden. Ob Dialog oder Prosastück – das letzte verbindende Band dieser erratischen, wortreich verstummenden Fragmente ist ihre Abdichtung gegen jede Art semantischer Vereinnahmung.
So wie – philosophisch gesprochen – der Mensch in der entzauberten Moderne rettungslos auf sich zurückgeworfen ist, so stehen Becketts Figuren, Bilder und Motive für nichts als sich selbst. Es ist unmöglich, an ihnen Halt zu finden.
Wenn Becketts Sprache ihr Eigentliches aber als musikalisierte Form findet, sperrt sie sich letztlich auch gegen jede Art von Dramatisierung. Nicht zufällig bezeichnete Beckett die Oper als «eine grässliche Korruption der immateriellsten aller Künste, der Musik». Nur Morton Feldman schaffte es, dem Autor ein «Libretto» abzuschwatzen – sechzehn hermetische Zeilen, die Feldman zu der 1977 in Rom uraufgeführten, unlängst in Stuttgart wiederbelebten szenischen Musik ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nach Donizettis Dogendrama «Marin Faliero», das vor zwei Jahren im venezianischen «Teatro Malibran» zu neuem Leben erweckt wurde, hat sich das «Teatro La Fenice» nun der ebenfalls halbvergessenen «Pia de‘ Tolomei» angenommen – eine weitere Trouvaille. Im Jahr 1836 bei Donizetti und dem neapolitanischen Routinelibrettisten Cammarano in Auftrag gegeben, sollte dieses...
Mit ihrer neuen Produktion beweist die Deutsche Oper Berlin Kontinuität: Auf der Bühne dominieren große Namen, im Graben gibt der soundsovielte Top-Kandidat für die Thielemann-Nachfolge den Takt an, im Saal werden Bravi und Buhs unberechenbar ausgeteilt. Was David Pountney und sein Ausstatter Robert Innes Hopkins als bewährtes «Cavalleria/ Pagliacci»-Doppel...
Es gibt in Antwerpen einen berühmten Tiergarten. Stellen wir uns vor, dieser Zoo sei in finanzielle Schwierigkeiten geraten und werde alles andere als effizient verwaltet. Man kommt zu dem Schluss, dass die Probleme nur von außen zu lösen seien. Der Minister für Zoologie setzt daraufhin einen so genannten «Veränderungsmanager» ein. Und der schlägt nach Sichtung...
