Kunst und Ritual
Christoph Schlingensief war ein Passions-Künstler und Ritual-Verweser. Vieles bei ihm kam aus Wagners Opernwelt – und führte wieder in diese zurück: Das Gesamtkunstwerk wird globalisiert und lokalisiert zugleich, das gilt für Bayreuths Grünen Hügel wie für die Grünen Hügel Afrikas. Schlingensiefs Tod zwingt erneut zum Nachdenken über Kunst und Leben.
Es war gewiss kein Zufall, dass gerade der Maler Gerhard Richter vehement dagegen protestierte, dass ausgerechnet Christoph Schlingensief mit der Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der venezianischen Biennale 2011 beauftragt wurde. Denn größer konnten die Gegensätze kaum sein: da der Großmeister und moderne Malerfürst, unglaublicher Perfektionist des zweidimensionalen Tafelbildes – selbst in den farbigen Glasfenstern für den Kölner Dom –, zudem ein Superstar des internationalen Kunstbetriebs, mit staunenerregenden Höchstpreisen ein massiver Marktfaktor. Dort der schlechthin antiklassizistische Aktionskünstler und provokationsorientierte Störenfried, medial facettenreich umtriebig, darin absehbar, doch zugleich kaum berechenbar, trotzdem alles andere als ein Sieger-Typ, eher ein Thomas Bernhard’scher «Untergeher». Richter zu ...
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Christoph!!
«Kein Bock auf Himmel! Ich will noch hierbleiben»,
hast du immer und immer wieder beschwörend gerufen.
Und du hast Recht behalten.
Du bleibst hier!
Auch wenn du einen gemeinen, ungleichen Kampf, der nicht zu gewinnen ist,
jetzt verloren hast.
Du bleibst hier.
Obwohl, wenn man sich ansieht, was die da oben mit ihrer Vorsehung treiben,
haben die dich...
Richard Klein: Meine Damen und Herren, soweit Richard Wagners «Rheingold»-Vorspiel in der Inszenierung von Johanna Dombois. Was wir gerade erlebt haben, scheint mir ein idealer Gegenstand für die Doppelaufgabe zu sein, über die Neuen Medien im Allgemeinen und Wagners «Ring» im Besonderen zu sprechen, wirft es doch von sich aus die Frage auf: Wie überhaupt anfangen?...
Die Klage über die guten, alten Zeiten ist kaum weniger alt als die zum Bewußtsein ihrer selbst erwachte Menschheit. Ob bei den Verfassern der attischen Tragödie, ob in der Hochblüte römischer Lyrik eines Catull, ob in gelehrten Abhandlungen der Renaissance oder in den romantischen Gedichten eines Eichendorff: immer erhebt sich [...] die klagende Repräsentation der...
