Kunst und Ritual
Christoph Schlingensief war ein Passions-Künstler und Ritual-Verweser. Vieles bei ihm kam aus Wagners Opernwelt – und führte wieder in diese zurück: Das Gesamtkunstwerk wird globalisiert und lokalisiert zugleich, das gilt für Bayreuths Grünen Hügel wie für die Grünen Hügel Afrikas. Schlingensiefs Tod zwingt erneut zum Nachdenken über Kunst und Leben.
Es war gewiss kein Zufall, dass gerade der Maler Gerhard Richter vehement dagegen protestierte, dass ausgerechnet Christoph Schlingensief mit der Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der venezianischen Biennale 2011 beauftragt wurde. Denn größer konnten die Gegensätze kaum sein: da der Großmeister und moderne Malerfürst, unglaublicher Perfektionist des zweidimensionalen Tafelbildes – selbst in den farbigen Glasfenstern für den Kölner Dom –, zudem ein Superstar des internationalen Kunstbetriebs, mit staunenerregenden Höchstpreisen ein massiver Marktfaktor. Dort der schlechthin antiklassizistische Aktionskünstler und provokationsorientierte Störenfried, medial facettenreich umtriebig, darin absehbar, doch zugleich kaum berechenbar, trotzdem alles andere als ein Sieger-Typ, eher ein Thomas Bernhard’scher «Untergeher». Richter zu ...
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Am Telefon: Placido Domingo
Herr Domingo, kommt ein Belkantotenor reinsten Wassers aus Italien?
Nein, ich bin Spanier, in Madrid geboren.
Wann und wie begannen Sie zu musizieren?
Als ich neun Jahr e alt war, befreundete ich mich mit dem Klavier. Ich wollte Dirigent werden. Auch sang ich nebenher – natürlicherweise, denn sowohl mein Vater als auch meine Mutter...
50 Jahre «Opernwelt» und «Theater heute»: Das haben wir zum Anlass genommen – nicht für einen Festakt, sondern für ein Fest. Es fand am 28. August im Berliner Schiller-Theater statt, einem Ort, der durch seine Geschichte mit dem Schauspiel und durch seine Zukunft mit der Oper verbunden ist. (Seit Oktober 2010 spielt dort die Berliner Staatsoper, danach wird ihn die...
Der Streit um Sinn oder Unsinn, vergessene Opern «auszugraben», ist so alt wie dieser Versuch selbst. Als das Nationaltheater Mannheim Carl Orff 1925 die Möglichkeit gab, Monteverdis «Orfeo» für das lebendige Theater zurückzugewinnen, war der Erfolg entmutigend. Zur Premiere waren zwar Musiker, Musikwissenschaftler, Intendanten und Spezialisten aus dem ganzen...
