Kunst und Ritual
Christoph Schlingensief war ein Passions-Künstler und Ritual-Verweser. Vieles bei ihm kam aus Wagners Opernwelt – und führte wieder in diese zurück: Das Gesamtkunstwerk wird globalisiert und lokalisiert zugleich, das gilt für Bayreuths Grünen Hügel wie für die Grünen Hügel Afrikas. Schlingensiefs Tod zwingt erneut zum Nachdenken über Kunst und Leben.
Es war gewiss kein Zufall, dass gerade der Maler Gerhard Richter vehement dagegen protestierte, dass ausgerechnet Christoph Schlingensief mit der Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der venezianischen Biennale 2011 beauftragt wurde. Denn größer konnten die Gegensätze kaum sein: da der Großmeister und moderne Malerfürst, unglaublicher Perfektionist des zweidimensionalen Tafelbildes – selbst in den farbigen Glasfenstern für den Kölner Dom –, zudem ein Superstar des internationalen Kunstbetriebs, mit staunenerregenden Höchstpreisen ein massiver Marktfaktor. Dort der schlechthin antiklassizistische Aktionskünstler und provokationsorientierte Störenfried, medial facettenreich umtriebig, darin absehbar, doch zugleich kaum berechenbar, trotzdem alles andere als ein Sieger-Typ, eher ein Thomas Bernhard’scher «Untergeher». Richter zu ...
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Herr Meyer, in einem Interview sagten Sie, das Budget der Staatsoper sei «nicht in Ordnung» – die Wiener Staatsoper erhalte zur Zeit nicht einmal die Hälfte der Subvention der Pariser Oper. Glauben Sie, das ändern zu können?
Was ich gemeint habe, ist, dass die Staatsoper seit Jahren keine Erhöhung bekommen hat. Auch wenn die Inflation in den letzten 20 Jahren ...
Herr Prof. Ligeti, in Ihrem Kommentar zur Entstehung der Oper «Le Grand Macabre» beschreiben Sie einen schöpferischen Entwicklungsprozeß, der – wie ich meine – für die Situation der Musik der Siebzigerjahre und des neuen Musiktheaters im besonderen sehr aufschlußreich und charakteristisch ist. Während der Arbeit an dieser Oper, Ihrem ersten großen Werk für das...
Es war viel Arbeit, aber auch ein großes Vergnügen: Als Vorbereitung für das Jubiläumsfest und für dieses Jahrbuch haben wir alle Hefte der «Opernwelt» aus fünfzig Jahrgängen durchgesehen. Manchmal mit einer gewissen Scheu: Wie hat die Redaktion von damals auf die gesellschaftlichen Umwälzungen von 1968 reagiert? Hatte «Opernwelt» eine gute Nase für wirklich...
