Kunst und Begehren

Geniestreich eines Frühvollendeten: Bonn holt Peter Ronnefelds Oper «Die Ameise» aus der Versenkung, Kateryna Sokolova inszeniert kongenial

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Ich formte sie, ich bildete sie, ich löste ihr die Seele und Zunge […] sie war mein Geschöpf», das stammelt der unter Mordverdacht stehende Gesangslehrer Maestro Salvatore in der frenetischen Gerichtsszene ohne Richter, mit der unvermittelt Peter Ronnefelds Oper «Die Ameise» beginnt. Das Publikum, staccato im respondierenden Doppelchor, führt sich als die letzte Instanz auf: «Wir besuchen regelmäßig Prozesse! Wir können uns ein Urteil erlauben! […] ein Verrückter».

Verrückt und tiefgründig zugleich war das Projekt zweier Mittzwanziger, die sich 1959 in Wien trafen und schon nach wenigen Wochen mit einem fieberhaft vorangetriebenen Werk einen opernhaft-phantastischen Coup landen wollten in einem durch die «Literaturoper» zäh dominierten Umfeld: der hochbegabte Karajan-Assistent Ronnefeld und der gerade als Dramaturg an die Wiener Staatsoper engagierte Richard Bletschacher. Literatur auch hier: die Phantastik E. T. A. Hoffmanns und das absurde Theater Eugène Ionescos, dessen «Nashörner» gerade in Düsseldorf (später auch der Uraufführungsort der «Ameise») ihre erste Aufführung erlebt hatten. Auch hier das Spiel mit unvermittelt ineinander übergehenden Realitätsebenen, durch die die ...

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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Klaus Heinrich Kohrs

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