Tod auf Kredit
Satte 61 leere Quinten, das ist viel Holz. Aber so hat es Franz Schubert für das letzte Stück aus seiner «Winterreise» auf Verse Wilhelm Müllers gewollt, natürlich nicht ohne zureichenden Grund. Der Tod lugt um die Ecken, und das weiß auch der Wanderer am Ende seiner frostigen Unternehmung, die ihn an diesen unwirtlichen Ort geführt hat.
Wenn nun Johannes Martin Kränzle das Lied «Der Leiermann» singt, dann tut er es auch im Wissen darum, dass in seinem Körper jemand sein Unwesen treibt. Die erschütternde Diagnose lautet Leukämie.
Kränzle, einer der prägendsten Sängerdarsteller der vergangenen Jahrzehnte, hat aus seinen Erkrankungen nie einen Hehl gemacht und sogar offensiv auch in dieser Zeitschrift davon erzählt. So verwundert es nicht, wenn sich nun auch im Booklet der 2024 entstandenen Neuaufnahme von Schuberts Zyklus «schauerlicher Lieder» der Hinweis findet, dass Kränzle sich – nach einer Knochenmarkserkrankung im Jahr 2015 – erneut einer Stammzellentransplantation unterzogen hat. Mit welchem Ergebnis, ist allerdings unbekannt.
Die Frage darf (und muss) also in diesem Fall lauten: Wie singt jemand von der Einsamkeit, von knurrenden Hunden, wunderlichen Krähen, von der ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 36
von Jürgen Otten
Als Intendantin habe ich die Möglichkeit, auf Impulse zu reagieren, die aus dem Ensemble kommen. Im Fall «Kassandra» wurde ich von der Schauspielerin Christina Huckle auf den Text von Christa Wolf aufmerksam gemacht: «Lass uns da was draus machen. Der Text lässt mich nicht mehr los.» Das war der Startpunkt. Als Regisseurin bin ich hauptsächlich mit den großen...
Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» aus seinem Todesjahr 1643 hat es als einzige Oper aus der Frühzeit der Gattung zu weltweiter Popularität gebracht. Das gleichermaßen theatralisch fulminante wie respektlose Libretto mit seiner amoralischen Sex-and-Crime-Story aus dem alten Rom verabschiedet die gestelzte Mythologie und wendet sich erstmals auf der Opernbühne...
In einem für sein 19. Jahrhundert seltenen Durchblick auf die herrschenden patriarchalen Repressionsverhältnisse ließ Bellinis Librettist Felice Romani am Ende dieser von Shakespeare unabhängigen Romeo-und-Julia-Variante benennen, wer all dies Unglück schuf. Es ist Vater Capellio, der für den Tod seiner Tochter und ihres Geliebten Romeo verantwortlich ist, aus...
