Tod auf Kredit

Johannes Martin Kränzle deutet Schuberts «Winterreise» als Endspiel

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Satte 61 leere Quinten, das ist viel Holz. Aber so hat es Franz Schubert für das letzte Stück aus seiner «Winterreise» auf Verse Wilhelm Müllers gewollt, natürlich nicht ohne zureichenden Grund. Der Tod lugt um die Ecken, und das weiß auch der Wanderer am Ende seiner frostigen Unternehmung, die ihn an diesen unwirtlichen Ort geführt hat.

Wenn nun Johannes Martin Kränzle das Lied «Der Leiermann» singt, dann tut er es auch im Wissen darum, dass in seinem Körper jemand sein Unwesen treibt. Die erschütternde Diagnose lautet Leukämie.



Kränzle, einer der prägendsten Sängerdarsteller der vergangenen Jahrzehnte, hat aus seinen Erkrankungen nie einen Hehl gemacht und sogar offensiv auch in dieser Zeitschrift davon erzählt. So verwundert es nicht, wenn sich nun auch im Booklet der 2024 entstandenen Neuaufnahme von Schuberts Zyklus «schauerlicher Lieder» der Hinweis findet, dass Kränzle sich – nach einer Knochenmarkserkrankung im Jahr 2015 – erneut einer Stammzellentransplantation unterzogen hat. Mit welchem Ergebnis, ist allerdings unbekannt.

Die Frage darf (und muss) also in diesem Fall lauten: Wie singt jemand von der Einsamkeit, von knurrenden Hunden, wunderlichen Krähen, von der ...

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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 36
von Jürgen Otten

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