Kühle Zwitschermaschine

François-Xavier Roth und Les Siècles sorgen mit Strawinskys «Rossignol» für eine herbe Enttäuschung

Opernwelt - Logo

Das Jahr 2024 war für den Dirigenten François-Xavier Roth kein gutes. Sein bis 2025 laufender Vertrag als Kapellmeister des Gürzenich-Orchesters wurde vorzeitig beendet, das von ihm gegründete Originalklangorchester Les Siècles trennte sich von ihm. Roth hatte unaufgefordert Text- und Bildnachrichten mit sexuellem Inhalt an Musikerinnen und Musiker verschickt. Roth reagierte reuig («Wenn ich zu weit gegangen bin, möchte ich mich bei denjenigen entschuldigen, die ich verletzt haben könnte»), sagte Engagements ab und kündigte an, therapeutische Hilfe zu suchen.

Das geäußerte Bedauern genügte dem SWR, an einem seit Längerem bestehenden Vertrag mit ihm festzuhalten: zur Spielzeit 2025/26 wird François-Xavier Roth Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des SWR-Symphonieorchesters – obwohl rund 50 Mitglieder damit nicht einverstanden sind.

Man sollte das wissen, wenn nun eine Aufnahme von Roth und Les Siècles bei Erato/Warner erschienen ist: Igor Strawinskys Oper «Le Rossignol» wurde im März 2023 im Pariser Théâtre des Champs-Élysées eingespielt – also vor dem Bekanntwerden der angesprochenen Vorwürfe. Les Siècles war dort in der Spielzeit Residenzorchester und der kurze Dreiakter des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Medien, Seite 39
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
Der weise König

So, wie er dastand, baumlang, erhaben, unantastbar und würdevoll, wusste man im gleichen Moment: Dieser Mann, der anscheinend durch nichts aus der Ruhe zu bringen war, verdiente, nein: er gebot Respekt. Zur Rolle passte es. An diesem milden Frühlingsabend kurz vor der Jahrtausendwende sang und spielte Matti Salminen an der Deutschen Oper Berlin in Götz Friedrichs...

Mustergültig

Antonio Vivaldis anno 1735 im Teatro San Samuele uraufgeführte «Griselda», sein einziges Bühnenwerk für Venedig, gehört trotz regelmäßiger Produktionen nicht zu den Spitzentiteln des Barockbooms. Aus woker und auch aus gelassenerer Perspektive auf patriarchale Sinnkonstrukte ist das Sujet dieser Opera seria nur äußerst schwer erträglich. Nun gelangte sie mit dem...

Solipsistische Etüde

Zwischen dem Sockel des Bronzeengels von Peter Anton van Verschaffelt und dem Straßenniveau liegen etwa 48 Meter. Kaum ein Körper, der von der Spitze der Engelsburg in Rom springt, würde unversehrt bleiben. Doch in der Opernwelt ist alles möglich, sogar dass eine der berühmtesten Selbstmörderinnen der Operngeschichte diesen Sprung überlebt. Floria liegt also auf...