Krisenfest im Abseits
Sie haben es gerade noch geschafft. Bevor die Zocker in den Banken und an den Börsen, von einer blind auf die Selbstregulierung der Märkte vertrauenden Politik begünstigt, die grüne Insel an den Rand der Staatspleite brachten. Vor gut einem Jahr hatte Irland unter dem sogenannten «EU-Rettungsschirm» Zuflucht suchen müssen – als erstes Mitglied der Europäischen Union. Aber da stand das neue Opernhaus im kleinen Wexford schon, seit 2008 läuft der Spielbetrieb – mit dem jedes Jahr veranstalteten Raritäten-Festival als Höhepunkt.
Wäh-rend man in dem Fischerstädtchen am Südostzipfel der Insel die 60. Spielzeit feiert, stehen Dublins Opernstrategen mit leeren Händen da. Die noch vor drei Jahren propagierten Pläne des Arts Council, in der Hauptstadt eine National Opera Company zu gründen, sind auf Eis gelegt. Das von Daniel Libeskind entworfene Grand Canal Theatre, ursprünglich als Sitz dieser Irischen Nationaloper avisiert, wird von Reisetruppen bespielt. Da waren die Festivalmacher in Wexford cleverer. Und sind darauf mächtig stolz.
«Wir haben eben rechtzeitig unsere Hausaufgaben gemacht», schmunzelt Chairman Peter Scallan. Die Finanzierung des mitten in einem Häuserensemble entstandenen ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Albrecht Thiemann
Die Deutschen machen sich’s bekanntlich nicht leicht mit ihrer Festoper schlechthin, mit Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg». Erst recht in Nürnberg. Drum tat Intendant Peter Theiler gut daran, die Neuinszenierung des heiter-tiefsinnigen, aber durch nationalsozialistische Vereinnahmung kontaminierten Werks David Mouchtar-Samorai anzuvertrauen. Der in Bagdad...
Wer sich so nach dem Tod sehnt wie Tristan kann in dieser Welt immer nur ein Unbehauster, Heimatloser bleiben. Gefangen in einer Zwischenwelt, einem Umzug, der nicht enden will. Als solchen Umzug inszeniert Regisseurin Yona Kim, 2011 für den Deutschen Theaterpreis «Der Faust» nominiert, Wagners Oper in Braunschweig: Plastikplanen hängen von der Decke, überall...
Das Kronentor des Dresdner Zwingers im Logo, war die Firma «Barock» der DDR einziger Hersteller von Tinte. Blauschwarz quoll das Zeug über die Hände tapsiger Jungpioniere, die keine gütige West-Tante und damit einen brauchbaren Pelikan-Füller vorweisen konnten. Ambivalent ist Dresdens Verhältnis zum Barock bekanntlich bis heute: Das Bemühen etwa, Kriegswunden im...
