Kreuz und Moschee
Sicher, Verdis effetto ist da. Aber es ist doch ein recht manierlicher Sturm, der da durchs Zürcher Opernhaus tobt. Unsere Nachmittagsvorstellung des «Otello» nimmt erst allmählich Fahrt auf, dann jedoch gewaltig. Daniele Gatti, Chefdirigent für überschaubare drei Jahre, scheint sich immer mehr zu entfalten. Ist die Intrigenmine erst mal losgetreten, wird Giuseppe Verdis Oper von einem unaufhaltsamen, alles beiseite-fegenden Sog auf die Katastrophe hin geprägt. Der zweite Akt gipfelt in einem fast schon überhitzten, überstürzten Schwurduett.
Die «Massen»-Szene des dritten türmt sich hochdramatisch auf. Das Eigentliche ist freilich die riesige Ausdrucksspanne, die Gatti durchmisst. Feinfühliger sind die Liebesduett-Pianissimi kaum zu artikulieren, zarter nicht Desdemonas ahnungsvolles Zu-Bett-Gehen im Finalakt. Dafür nimmt der Dirigent sich alle Zeit der Welt, ohne dass man je das Gefühl hätte, er dehne die Szene über Gebühr.
Das Problem dieser Zürcher Neuerarbeitung von Verdis Alterswerk ist die Bühne. Das heißt: Über weite Strecken vollzieht der Regisseur Graham Vick den «Otello» sorgsam, vernünftig und nicht ohne Spannung nach. Dass der Titelheld seinen «Esultate!»-Auftritt am ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Heinz W. Koch
Gleich sein erster Fall, «Venezianisches Finale», führte Commissario Brunetti in die Oper, womit seine Schöpferin Donna Leon sich a priori als Liebhaberin dieses Genres outete. Bei diesem im legendären Fenice angesiedelten Plot ging es freilich um eine Aufführung von Verdis «La traviata», während die Spezialität der Leon eigentlich Händel ist. So kommt sie denn...
Sie stehen zwar nicht ganz im Dunkeln, aber doch im Schatten: die späten Musiktheaterstücke von Kurt Weill. Der amerikanische Weill wird noch immer gern mit deutscher Herablassung abgekanzelt: ein Kunstschaffender, der am Broadway fremdgeht. Als habe Weill seine Heimat frei- und mutwilig verlassen.
Wenn die Niedersächsische Staatsoper jetzt seine «Lady in the Dark»...
Man darf es als Bekenntnis, als musikpolitischen Aufbruch verstehen, wenn sich die neuen Intendanzen in Karlsruhe und Stuttgart einem der großen, hierzulande noch immer nicht in seiner vollen Bedeutung anerkannten Zeitgenossen zuwenden – Hector Berlioz, dem bahnbrechenden Orchestervirtuosen und eigentlichen Zukunftsmusiker unter den großen Komponisten des 19....
