Krise? Welche Krise?
«Heidelberg singt» heißt ein Aktionstag beim Festival Heidelberger Frühling, dessen Titel man wörtlich nehmen darf: Einen ganzen Sonntag lang öffnen die Bürger der Stadt ihre Galerien, Kneipen, Schulen und teilweise auch Privaträume, um darin Lieder vorzutragen – vom Männergesangverein bis zur Alternative-Rock-Band, vom selbstgeschriebenen Song bis zu englischen Madrigalen. Es ist im Grunde dieselbe Idee, die schon Clemens Brentano und Achim von Arnim umtrieb, als sie zu Beginn des 19.
Jahrhunderts in Heidelberg die Sammlung «Des Knaben Wunderhorn» herausbrachten: Lieder von der Straße und aus den Dörfern aufzulesen, um sie als identitätsstiftenden Impuls zurückzugeben an die sich formierende Bürgergemeinschaft. Man liegt nicht falsch, wenn man Heidelberg als deutsche Liedstadt schlechthin bezeichnet. Schon der Minnesang blühte hier, in der Universitätsbibliothek ist mit dem Codex Manesse die bedeutendste deutsche Liederhandschrift des Mittelalters zu besichtigen. In Heidelberg sang Carl Maria von Weber nachts auf der Straße zur Gitarre, stimmten Eichendorff und Schumann im Wirtshaus Lieder an. Im 20. Jahrhundert entstand hier mit dem «Zupfgeigenhansl» das generationsprägende ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Stallknecht
Wann sind Sie Ariadne zum ersten Mal begegnet?
2014, in meinem letzten Jahr an der Opernakademie Kopenhagen. Ich habe einige Nummern für die Abschlussprüfung und in einem Konzert gesungen.
War das damals eine Wunschpartie?
Ich kannte «Ariadne auf Naxos» gar nicht, habe bei Null angefangen, bin an der Hochschule jeden Takt mit meiner Lehrerin Susanna Eken...
Kriegsspiele haben Tradition. Auf Holzsoldaten folgten Zinnfiguren, dann kamen Armeen aus Kunststoff, bevor Spielzeugblaster und Ego-Shooter für den bislang letzten Evolutionssprung des homo ludens sorgten. Es gibt aber auch ziemlich intellektuelle Formen der Kriegsspielerei: Die eine heißt Schach, die andere Regietheater. Friedensbewegte Zeitgenossen meinen,...
Es sieht fast so aus, als falle die lateinamerikanische Operngeschichte in das Fachgebiet der Architektur. Denn wirklich berühmt sind allein zwei Häuser: das Teatro Amazonas in Manaus und das Teatro Colón in Buenos Aires. Und sie sind nicht für die dort gespielte Musik berühmt. Im brasilianischen Manaus erklang fast 100 Jahre lang überhaupt keine Oper; in Buenos...
