Fundsachen
Virginia Zeani (* 1925), deren Karriere über drei Jahrzehnte währte, gehörte zu den großen Primadonnen der Callas-Ära, blieb bei uns aber lange Zeit unbekannt. Im ersten Jahrzehnt ihrer Karriere war sie auf die Belcanto-Rollen Donizettis, Bellinis und Rossinis spezialisiert, daneben als Gilda und insbesondere Traviata erfolgreich. In den 60er-Jahren entwickelte sie sich allmählich zum lyrisch-dramatischen Zwischenfach-Sopran mit dem Schwerpunkt Puccini und Verismo, sang aber auch Rollen wie Elsa und Senta.
Zwei Recitals produzierte Decca in den 1950ern mit dem aufstrebenden Star, die in Deutschland nie auf dem Markt waren (ein paar wenige Titel ausgenommen). Obwohl die Sängerin erst in der Folgezeit ihren Zenit erreichte, gab die Firma ihr keine Gelegenheit mehr, in einer Gesamtaufnahme mitzuwirken, was damit zusammenhängen könnte, dass sie unterdessen Joan Sutherland als exklusiven Star angeheuert hatte. Wie im Falle von Magda Olivero und Leyla Gencer basiert der Nachruhm Zeanis auf zahlreichen Live-Aufnahmen, die in der Piraten-Ära Kult waren (und heute offiziell erhältlich sind).
Gerade die Konkurrentin Joan Sutherland und ihr Gatte Richard Bonynge sprachen ihr das höchste Lob ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Ekkehard Pluta
Die «Generation Praktikum» hat längst die Opernhäuser erreicht. Früher war das anders, da wurde man einfach ins Wasser geworfen: Adelina Patti war bei ihrem Bühnendebüt gerade mal 16, Lilli Lehmann nur ein Jahr älter, Anna von Mildenburg und Astrid Varnay standen mit 23 erstmals auf den Brettern, beide in der «Walküre» – Mildenburg 1895 als Brünnhilde in Hamburg...
Der Lyriker bleibt am längsten mit dem Musiker geeint», schreibt Friedrich Nietzsche in «Götzen-Dämmerung», auch wenn die Künste sich «allmählich spezialisiert und voneinander abgetrennt» hätten. Mit beiden Kunstgattungen war Nietzsche eng vertraut: Bis etwa zum 30. Lebensjahr komponierte er selbst, auch wenn er wusste, dass er dabei unter der Messlatte der von ihm...
Er war ein Freund von Marcel Proust, Dandy, hochgeschätzter Sänger in den Pariser Salons, Dirigent, Musikkritiker; seine leider nie ins Deutsche übersetzte Studie «Du Chant» ist eines der glänzendsten Bücher, die je über Gesang geschrieben wurden. Als Komponist ist Reynaldo Hahn vor allem mit seinen melancholisch-eleganten, die leichte mit der ernsten Muse...
