Szenen einer Ehe
Wanderer, kommst du nach Meiningen und schaust dort im Theater «Elektra» von Strauss, dann ahnst du, was der Mensch anzurichten imstande ist. Voller Blut ist am Ende die Bühne. Alles, was hoffte, glaubte und liebte: hingerafft vom unstillbaren Durst der Rache. Inmitten der Blutorgie Orest, in der Hand das Beil. Wie ein Schrei gegen die Verwüstungen der Welt klingt der Ruf von Chrysothemis: «Orest! Orest!». Unheimlich die Stille danach. Es ist, nicht nur wegen dieser finalen Sequenz, eine ans Mark rührende Aufführung.
Punkt für Punkt hat Andrea Moses den mythischen Stoff ins Jetzt übertragen. In die Zeit der medialen Suprawirklichkeit also, die häufig kaum noch korreliert mit der Wirklichkeit, wie sie das Leben formt. Wie sagt Klytämnestra: «Was die Wahrheit ist, das bringt kein Mensch heraus.» Eben darum geht es der jungen Regisseurin. Ihre «Elektra», mit dem Bühnen- und Kostümbildner Christian Wiehle ersonnen, spiegelt eine politische Erinnerungskultur, die dem Kultus das Bild des Kitsches beifügt – und jenen damit depraviert. Was wir sehen, ist die Fälschung unserer Welt. Das Faszinierende: Wir hören es auch. Scharf geschliffen und zugleich lyrisch sanft klingt diese «Elektra» ...
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Der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung der «Königskinder» vom Juli 2005 aus Montpellier ist wohl eine der letzten Aufnahmen des am 20. September 2006 gestorbenen Armin Jordan, der ursprünglich auch die neue Zürcher Produktion dirigieren sollte. Seine Opern-Diskografie ist schmal. Immerhin sind auf CD erschienen: «Pelléas et Mélisande» (1981), «Le Roi...
James MacMillans zweite Oper spielt mit dem Mythos, doch die Handlung ist in der nahen Zukunft angesiedelt, in einem Schottland oder Britannien, wo Gewalt die Gewalt regiert. Die Führer zweier verfeindeter Parteien wollen Frieden schließen. Eine Bedingung für den Deal: Sian, die Tochter des Generals, heiratet dessen langjährigen Rivalen Mal. Doch Sians früherer...
Peter de Caluwe hatte sich für seinen Einstand als Intendant des Théâtre de la Monnaie ein anspruchsvolles Programm ausgedacht. Zur Eröffnung bot das Haus eine semiszenische Aufführung von Schönbergs «Gurreliedern». Sodann kam Hans Werner Henzes «Phaedra»-Oper aus Berlin (siehe OW 11/2007). Schließlich stand Mozarts erste Seria «Mitridate, Re di Ponto» auf dem...
