Szenen einer Ehe
Wanderer, kommst du nach Meiningen und schaust dort im Theater «Elektra» von Strauss, dann ahnst du, was der Mensch anzurichten imstande ist. Voller Blut ist am Ende die Bühne. Alles, was hoffte, glaubte und liebte: hingerafft vom unstillbaren Durst der Rache. Inmitten der Blutorgie Orest, in der Hand das Beil. Wie ein Schrei gegen die Verwüstungen der Welt klingt der Ruf von Chrysothemis: «Orest! Orest!». Unheimlich die Stille danach. Es ist, nicht nur wegen dieser finalen Sequenz, eine ans Mark rührende Aufführung.
Punkt für Punkt hat Andrea Moses den mythischen Stoff ins Jetzt übertragen. In die Zeit der medialen Suprawirklichkeit also, die häufig kaum noch korreliert mit der Wirklichkeit, wie sie das Leben formt. Wie sagt Klytämnestra: «Was die Wahrheit ist, das bringt kein Mensch heraus.» Eben darum geht es der jungen Regisseurin. Ihre «Elektra», mit dem Bühnen- und Kostümbildner Christian Wiehle ersonnen, spiegelt eine politische Erinnerungskultur, die dem Kultus das Bild des Kitsches beifügt – und jenen damit depraviert. Was wir sehen, ist die Fälschung unserer Welt. Das Faszinierende: Wir hören es auch. Scharf geschliffen und zugleich lyrisch sanft klingt diese «Elektra» ...
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Der letzte Tag einer Ehe, so könnte man die Geschichte von Medea überschreiben. Einer nicht besonders glücklichen Ehe natürlich, denn Medea ermordet ihre eigenen Kinder. Luigi Cherubini hat diesen mythischen Stoff 1797 vertont: ein Meisterwerk irgendwo zwischen Klassik und Romantik, das dank Maria Callas nicht ganz vergessen wurde. Derzeit erscheint es plötzlich...
Am Schluss wird dann doch die bisher so manierlich mit Choristen und Solisten bevölkerte Treppenhaus-Bühne geflutet. Das Meerwasser bahnt sich ungehindert seinen Weg; über Stufen, Türschwellen und aus Wandöffnungen strömend – und – wir sind im doch so erhaltenswerten Théâtre du Capitole de Toulouse – auf wundersame Weise trotzdem nicht in den Orchestergraben...
Der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung der «Königskinder» vom Juli 2005 aus Montpellier ist wohl eine der letzten Aufnahmen des am 20. September 2006 gestorbenen Armin Jordan, der ursprünglich auch die neue Zürcher Produktion dirigieren sollte. Seine Opern-Diskografie ist schmal. Immerhin sind auf CD erschienen: «Pelléas et Mélisande» (1981), «Le Roi...
