Szenen einer Ehe
Wanderer, kommst du nach Meiningen und schaust dort im Theater «Elektra» von Strauss, dann ahnst du, was der Mensch anzurichten imstande ist. Voller Blut ist am Ende die Bühne. Alles, was hoffte, glaubte und liebte: hingerafft vom unstillbaren Durst der Rache. Inmitten der Blutorgie Orest, in der Hand das Beil. Wie ein Schrei gegen die Verwüstungen der Welt klingt der Ruf von Chrysothemis: «Orest! Orest!». Unheimlich die Stille danach. Es ist, nicht nur wegen dieser finalen Sequenz, eine ans Mark rührende Aufführung.
Punkt für Punkt hat Andrea Moses den mythischen Stoff ins Jetzt übertragen. In die Zeit der medialen Suprawirklichkeit also, die häufig kaum noch korreliert mit der Wirklichkeit, wie sie das Leben formt. Wie sagt Klytämnestra: «Was die Wahrheit ist, das bringt kein Mensch heraus.» Eben darum geht es der jungen Regisseurin. Ihre «Elektra», mit dem Bühnen- und Kostümbildner Christian Wiehle ersonnen, spiegelt eine politische Erinnerungskultur, die dem Kultus das Bild des Kitsches beifügt – und jenen damit depraviert. Was wir sehen, ist die Fälschung unserer Welt. Das Faszinierende: Wir hören es auch. Scharf geschliffen und zugleich lyrisch sanft klingt diese «Elektra» ...
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m Schluss der neunzigminütigen Aufführung stolperte Hans Neuenfels wie ein großes Kind auf die Bühne des Basler Theaters: als wollte und könnte er die Begeisterung des Publikums nicht recht begreifen. Das Ritual, das sonst allerorten die Premieren beherrscht – Beifall für die Solisten und den Dirigenten, Buhs für das Regieteam – war an diesem Abend außer Kraft...
Peter de Caluwe hatte sich für seinen Einstand als Intendant des Théâtre de la Monnaie ein anspruchsvolles Programm ausgedacht. Zur Eröffnung bot das Haus eine semiszenische Aufführung von Schönbergs «Gurreliedern». Sodann kam Hans Werner Henzes «Phaedra»-Oper aus Berlin (siehe OW 11/2007). Schließlich stand Mozarts erste Seria «Mitridate, Re di Ponto» auf dem...
Karl Richter wuchs in der sächsischen Kantorentradition auf, übte auf Silbermanns Freiberger Domorgel, wurde noch von Karl Straube als Schüler angenommen und als ganz junger Mann Organist an der Leipziger Thomaskirche. Karriere macht er in München, wo er sich an der Markuskirche einen eigenen Bach-Chor aufbaute und im katholischen Bayern ein Stück protestantische...
