Szenen einer Ehe

Zwangsvereinigung und viel Richard Strauss: Jürgen Otten über die Situation der Theater in Eisenach und Meiningen

Opernwelt - Logo

Wanderer, kommst du nach Meiningen und schaust dort im Theater «Elektra» von Strauss, dann ahnst du, was der Mensch anzurichten imstande ist. Voller Blut ist am Ende die Bühne. Alles, was hoffte, glaubte und liebte: hingerafft vom unstillbaren Durst der Rache. Inmitten der Blutorgie Orest, in der Hand das Beil. Wie ein Schrei gegen die Verwüstungen der Welt klingt der Ruf von Chrysothemis: «Orest! Orest!». Unheimlich die Stille danach. Es ist, nicht nur wegen dieser finalen Sequenz, eine ans Mark rührende Aufführung.

Punkt für Punkt hat Andrea Moses den mythischen Stoff ins Jetzt übertragen. In die Zeit der medialen Suprawirklichkeit also, die häufig kaum noch korreliert mit der Wirklichkeit, wie sie das Leben formt. Wie sagt Klytämnestra: «Was die Wahrheit ist, das bringt kein Mensch heraus.» Eben da­rum geht es der jungen Regisseurin. Ihre «Elektra», mit dem Bühnen- und Kos­tümbildner Christian Wiehle ersonnen, spiegelt eine politische Erinnerungskultur, die dem Kultus das Bild des Kitsches beifügt – und jenen damit depraviert. Was wir sehen, ist die Fälschung unserer Welt. Das Faszinierende: Wir hören es auch. Scharf geschliffen und zugleich lyrisch sanft klingt diese «Elektra» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gute Unterhaltung

Der letzte Tag einer Ehe, so könnte man die Geschichte von Medea überschreiben. Einer nicht besonders glücklichen Ehe natürlich, denn Medea ermordet ihre eigenen Kinder. Luigi Cherubini hat diesen mythischen Stoff 1797 vertont: ein Meisterwerk irgendwo zwischen Klassik und Romantik, das dank Maria Callas nicht ganz vergessen wurde. Derzeit erscheint es plötzlich...

Selten schöne Sintflut

Am Schluss wird dann doch die bisher so manierlich mit Choristen und Solisten bevölkerte Treppenhaus-Bühne geflutet. Das Meerwasser bahnt sich ungehindert seinen Weg; über Stufen, Türschwellen und aus Wandöffnungen strömend – und – wir sind im doch so erhaltenswerten Théâtre du Capitole de Toulouse – auf wundersame Weise trotzdem nicht in den Orchestergraben...

Humperdinck: Königskinder (A. Jordan)

Der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung der ­«Königskinder» vom Juli 2005 aus Montpellier ist wohl eine der letzten Aufnahmen des am 20. September 2006 gestorbenen Armin Jordan, der ursprünglich auch die neue Zürcher Produktion dirigieren sollte. Seine Opern-Diskografie ist schmal. Immerhin sind auf CD ­erschienen: «Pelléas et Mélisande» (1981), «Le Roi...