Bonjour tristesse
2008 steht ein Puccini-Jahr bevor, Anlass genug für das kleine, aber künstlerisch rege Coburger Landestheater, die unverwüstliche «La Bohème» aufs Programm zu setzen. Regisseur Detlef Altenburg und sein Ausstatter Manfred Dittrich verlegen die Szenen aus dem Künstlerleben in die Gegenwart: Erstes und letztes Bild zeigen die heruntergekommene Atelierwohnung von Rodolfo und Marcello.
Das zweite Bild ist eine schicke Heiligabend-Party in einem Großstadt-Club, das dritte zeigt Endstation Tristesse am winterlichen Stadtrand, wo verkaterte Partygäste und Schichtarbeiter im Morgengrauen über die Gleise stolpern.
Diese unangestrengt konkrete Aktualisierung setzt sich bis in Details fort: Rodolfo dichtet auf dem Laptop, Marcello malt neofigurative Aktbilder, Musetta ist Nightclub-Sängerin, Parpignol Transvestit, und das Essen, das Schaunard und Colline herbeischleppen, kommt direkt von McDonald’s. Das besitzt Genauigkeit, ja Witz, dient vor allem aber dazu, die prekär austarierte Balance von Puccinis musikalischem Bilderbogen vor dem Umkippen ins süffig Sentimentale zu bewahren. In diese leichtfertig verantwortungslose Welt bricht mit Mimìs unheilbarer Krankheit ein existenzielles ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Karl Richter wuchs in der sächsischen Kantorentradition auf, übte auf Silbermanns Freiberger Domorgel, wurde noch von Karl Straube als Schüler angenommen und als ganz junger Mann Organist an der Leipziger Thomaskirche. Karriere macht er in München, wo er sich an der Markuskirche einen eigenen Bach-Chor aufbaute und im katholischen Bayern ein Stück protestantische...
Keine Spur von Realismus. St. Petersburg wird auf der Bühne nur symbolisch angedeutet. Und zwar in zweierlei Perspektive: grell und rau (mit schwarzen, röhrenartigen Säulen ohne Kapitelle) als vertikaler Dimension; dann durch Brücken, die über die ganze Bühne führen (über den grünen Boden, der sowohl die Neva als auch einen Spieltisch darstellt), als horizontaler...
Der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung der «Königskinder» vom Juli 2005 aus Montpellier ist wohl eine der letzten Aufnahmen des am 20. September 2006 gestorbenen Armin Jordan, der ursprünglich auch die neue Zürcher Produktion dirigieren sollte. Seine Opern-Diskografie ist schmal. Immerhin sind auf CD erschienen: «Pelléas et Mélisande» (1981), «Le Roi...
