Bonjour tristesse
2008 steht ein Puccini-Jahr bevor, Anlass genug für das kleine, aber künstlerisch rege Coburger Landestheater, die unverwüstliche «La Bohème» aufs Programm zu setzen. Regisseur Detlef Altenburg und sein Ausstatter Manfred Dittrich verlegen die Szenen aus dem Künstlerleben in die Gegenwart: Erstes und letztes Bild zeigen die heruntergekommene Atelierwohnung von Rodolfo und Marcello.
Das zweite Bild ist eine schicke Heiligabend-Party in einem Großstadt-Club, das dritte zeigt Endstation Tristesse am winterlichen Stadtrand, wo verkaterte Partygäste und Schichtarbeiter im Morgengrauen über die Gleise stolpern.
Diese unangestrengt konkrete Aktualisierung setzt sich bis in Details fort: Rodolfo dichtet auf dem Laptop, Marcello malt neofigurative Aktbilder, Musetta ist Nightclub-Sängerin, Parpignol Transvestit, und das Essen, das Schaunard und Colline herbeischleppen, kommt direkt von McDonald’s. Das besitzt Genauigkeit, ja Witz, dient vor allem aber dazu, die prekär austarierte Balance von Puccinis musikalischem Bilderbogen vor dem Umkippen ins süffig Sentimentale zu bewahren. In diese leichtfertig verantwortungslose Welt bricht mit Mimìs unheilbarer Krankheit ein existenzielles ...
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