Bonjour tristesse
2008 steht ein Puccini-Jahr bevor, Anlass genug für das kleine, aber künstlerisch rege Coburger Landestheater, die unverwüstliche «La Bohème» aufs Programm zu setzen. Regisseur Detlef Altenburg und sein Ausstatter Manfred Dittrich verlegen die Szenen aus dem Künstlerleben in die Gegenwart: Erstes und letztes Bild zeigen die heruntergekommene Atelierwohnung von Rodolfo und Marcello.
Das zweite Bild ist eine schicke Heiligabend-Party in einem Großstadt-Club, das dritte zeigt Endstation Tristesse am winterlichen Stadtrand, wo verkaterte Partygäste und Schichtarbeiter im Morgengrauen über die Gleise stolpern.
Diese unangestrengt konkrete Aktualisierung setzt sich bis in Details fort: Rodolfo dichtet auf dem Laptop, Marcello malt neofigurative Aktbilder, Musetta ist Nightclub-Sängerin, Parpignol Transvestit, und das Essen, das Schaunard und Colline herbeischleppen, kommt direkt von McDonald’s. Das besitzt Genauigkeit, ja Witz, dient vor allem aber dazu, die prekär austarierte Balance von Puccinis musikalischem Bilderbogen vor dem Umkippen ins süffig Sentimentale zu bewahren. In diese leichtfertig verantwortungslose Welt bricht mit Mimìs unheilbarer Krankheit ein existenzielles ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
1955 wurde im «Simplicissimus» eine berühmt gewordene Karikatur gedruckt. Darauf der österreichische Kanzler Julius Raab mit Zither, Wienerlieder schnulzend, umgeben von schniefenden Sowjets. Dazu Außenminister Figl als mephistophelischer Einflüsterer: «Und jetzt noch die ‹Reblaus›, und dann sans waach». Als Resultat dieser von Ethanol bestimmten Meetings, in...
Was immer man gegen Kirsten Harms, die viel gescholtene Intendantin der Deutschen Oper Berlin, sagen kann: Eines sollte man im Auge behalten. Die Deutsche Oper macht einen mutigen und eigenwilligen Spielplan. Wo andere Häuser auf den Barockzug aufspringen, längst entdeckte Meisterwerke «wiederentdecken» oder durch Kompositionsaufträge versuchen, historisch...
Ähnelt die Turnhalle mit täuschend echt markiertem Parkettboden, den Mathis Neidhardt für Engelbert Humperdincks «Königskinder» in Zürich ausgelegt hat, nicht dem Klassenzimmer, in dem Peter Konwitschny seinen spektakulären Hamburger «Lohengrin» spielen ließ? Doch ein solches Zitat ist erlaubt, wenn man das Märchen-Libretto der «Königskinder» so gründlich und wach...
