Kräuseln und Tosen
Die Gedanken sind frei. Sie fliehen, wie man weiß, vorbei wie nächtliche Schatten. Und so darf man wohl entschuldigen, dass uns während der Aufführung von Brittens «Peter Grimes» im Theater an der Wien ausgerechnet Karl Valentin in den Sinn kommt. Der bemerkte einmal hintersinnig: «Heute besuche ich mich selbst. Ich bin schon neugierig, ob ich zu Hause bin ...
» Wir fragen uns: Wie hätte Peter Grimes reagiert, wenn der sich selbst die Türe geöffnet hätte? Wäre er erschreckt davongerannt? Hätte er sich akzeptiert? Denn mitten durch Grimes läuft eine Mauer, die ihn daran hindert, den anderen Teil seiner Seele aufzusuchen. Diesen anderen Teil, zu dem auch Benjamin Britten sich 1945, zur Uraufführungszeit des Werks, nur mittelbar bekennen mochte.
In seiner Wiener Inszenierung entschloss Christof Loy sich zur Eindeutigkeit: Klar, Peter Grimes sei schwul. Um dies zu etikettieren, ist Grimes’ Gehilfe John kein Knabe mehr, sondern ein junger Mann (der Tänzer Gieorgij Puchalski), ein bisschen wie ein älterer Bruder des Tadzio aus «Tod in Venedig». Auf jeden Fall erotischer Partner, nicht mögliches Opfer eines außer Kontrolle geratenen Päderasten (auch wenn er am Schluss wie sein Vorgänger ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché
Als Joël Pommerat sein Theaterstück «Au monde» zum Opernlibretto umformte und dabei im Blick hatte, dass er selbst 2014 zum Regisseur der Uraufführung von Philippe Boesmans gleichnamigem Musiktheater an der Brüsseler Monnaie-Oper auserkoren war, bekannte er sich zum Unbestimmten seiner Erzählung: «Mit ‹Au monde› wollte ich Löcher und große Öffnungen schaffen.» Die...
Impressum
57. Jahrgang, Nr 2
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752286
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 13.01.2016
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Zwei neue CD-Programme von zwei der besten Countertenöre unserer Tage mit Kompositionen aus dem 17. Jahrhundert. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Was Sängertypus, Konzeption und Interpretation betrifft, könnten die Produktionen kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite steht Max Emanuel Cencic, der mit knapp 40 Jahren schon zu den...
